Walfisch oder Königsechse – Die Erforschungsgeschichte des Basilosaurus

von | | | 15. September 2012

Der imposanteste unter den Urwalen ist Basilosaurus: eine Gattung vor rund 40 Millionen Jahren mit stark gestrecktem Körper bis ca. 20 Meter Länge. Man unterscheidet heute drei Arten.

Rekonstruktion von Basilosaurus cetoides nach KELLOGG, 1936. Bildquelle: Dr. Thewissen

Auf die spektakuläre Erforschungsgeschichte dieser Urzeitriesen geben viele Walebücher stichwortartige Hinweise. Hier soll diese Geschichte ausführlicher entfaltet, wenn auch nicht erschöpfend abgehandelt werden. Als Unterlagen dienten Quellen der Fachliteratur von den 1830er Jahren bis zur Gegenwart.

Frühe Funde in Amerika

Das Dinosaurier-Fieber brach los. In den 1820er Jahren haben englische Forscher die ersten Dinosaurier beschrieben: 1822 Megalosaurus, 1825 Iguanodon. Auch Fischechsen fanden nun verstärktes Interesse: So wurde 1824 eine untersucht, die ein Menschenalter lang unbeachtet in einem Stuttgarter Gymnasium gelegen hatte.

Basilosaurus-Rekonstruktion kurz vor dem 1. Weltkrieg. So wie hier auf die Klippen schnellen konnten die Tiere sich wohl nicht. Im Kopfprofil ist deutlich die Schädelform nachgebildet. Die Schnauze ist in der Aufsicht (rechtes Tier) zu schmal gezeichnet und mehr an heutigen Delphinen orientiert. Es fällt auf, dass die Ansatzstellen der Hinterbeine in beiden Tieren verdeckt sind. 1906 behauptete OTHENIO ABEL irrigerweise, die gefundenen Becken- und Oberschenkelknochen des Basilosaurus seien in Wirklichkeit Knochen vom Schultergürtel eines Vogels. © Verlag der Kakao-Compagnie Theodor Reichardt G.m.b.H., Wandsbek – Hamburg

Um dieselbe Zeit kommt in Amerika Richter Creagh nach Clark County in Alabama. Auf seinen und anderen Feldern bemerkt er zahlreiche fossile Wirbel von beachtlicher Größe. Auch Richter Bry in Louisiana sieht solche Stücke an den Ufern des Ouachita-Flusses: Dort findet man 1832 eine Reihe von 28 dieser Wirbel. Insbesondere einen exemplarischen davon beschreibt 1834 der Geologe Richard Harlan und glaubt, dass es sich um Reste eines gewaltigen Reptils handelt. Basilosaurus nennt er es, zu deutsch soviel wie „Königsechse“. Das Tier stammt aus dem Alttertiär, genauer dem Eozän.

Noch im gleichen Jahr inspiziert Harlan auch Basilosaurus-Funde von der Pflanzung des Richters Creagh in Alabama: Wirbel, Rippen, einen Oberarmknochen und Kieferstücke mit Zähnen. Harlan bringt die Funde nach London, wo Sir Richard Owen vor allem die Zähne untersucht. Die makroskopische wie auch die mikroskopische Untersuchung führt zu dem Ergebnis, dass kein Reptil vorliegt, sondern ein Säugetier, das zu den Cetaceen (Waltieren) gehört. Deshalb schlägt Owen 1839 vor, den Namen Basilosaurusabzuändern in Zeuglodon („Jochzähner“ oder „Doppelzähner“). Der Name bezieht sich auf den Bau der zweiwurzeligen Backenzähne. Die konkrete Art erhält den Namen Zeuglodon cetoides: „walartiges Zeuglodon„.

In der Folgezeit wurde Zeuglodon ein richtiger Modename, der auch solchen Formen beigelegt wurde, die man heute völlig anderen Gattungen zurechnet. Dagegen ist heute der Name Zeuglodon nicht mehr in Gebrauch. Denn es gilt im Prinzip der erste Name, der für eine Form eingeführt wurde. Und das ist hier Basilosaurus, auch wenn das Tier kein Saurier ist. Der korrekte Name lautet daher Basilosaurus cetoides.

Wenige Jahre nach Owens Namensänderung entdeckt man auf dem Boden des Richters Creagh ein weitgehend erhaltenes Skelett von ca. 21 Metern Länge. Der Schädel freilich ist zertrümmert. Auch von anderen Stellen in Alabama und Mississippi werden nun Knochen dieser Tierart bekannt.