Walschutz
IWC Konferenz auf St. Kitts & Nevis

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Wale, Delfine und Menschen

Walschützer ausgebootet

Beim diesjährigen Treffen der Internationalen Walfang Kommission (IWC) werden die Walfangbefürworter die Überhand gewinnen. Japan wird mit den hinzugewonnenen neuen Mitgliedsländern die IWC dazu bringen, den Walschutzkurs zu verlassen und die Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs vorzubereiten.
von Jan Herrmann
(veröffentlicht 14. Juni 2006)

Waltöten aus Spass? Norwegisches T-Shirt

Waltöten aus Spass? Norwegisches T-Shirt

Neue IWC Mitglieder seit 2000

Die neuen IWC Mitglieder

Vom 16.- 20. Juni findet auf den Antilleninseln St. Kitts und Nevis das Treffen der Internationalen Walfang Kommission (IWC) statt. Auf dem Programm stehen unter anderem das geplante Bewirtschaftungsverfahren für Wale (RMS), Waltötungsmethoden, das wissenschaftliche Walfangprogramm der Japaner oder der Subsistenzwalfang indigener Volksgruppen.

In den letzten Jahren fanden die Walfangkonferenzen nach folgendem Muster statt: Japan fordert Fangquoten für einen Küstenwalfang - die IWC lehnt ab. Japan stellt sein wissenschaftliches Forschungsprogramm vor, das zu großen Teilen auf der Tötung von Walen beruht - die IWC verabschiedet eine Resolution gegen dieses Programm.

So wiederholte es sich Jahr für Jahr, weil die Walfanggegner unter den IWC-Mitgliedsländern in der Mehrzahl waren. Die IWC rief Walschutzgebiete aus und nahm neue Themen wie etwa den japanische Kleinwalfang oder das boomende Whale Watching ins Diskussionsprogramm auf. Walfangländer wie Japan oder Norwegen kritisierten die Walschutzpolitik der IWC und drohten mit Austritt. Nur Island zog die Konsequenzen und verließ 1992 die Walfangkommision.

Dieses Jahr wird sich die Arbeit der IWC grundlegend ändern. Denn für Japan zahlt sich nun erstmals aus, was von langer Hand vorbereitet scheint. Durch Zutritte zahlreicher Länder zur Walfangkommission erhöht sich der Stimmenanteil der Walfangbefürworter in Japans Gefolge. Seit dem Jahr 2000 sind 31 Länder der Kommission beigetreten. Viele, so berichtete die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) schon vor drei Jahren, hat Japan mit großzügigen finanziellen Zusagen geködert.

Und tatsächlich hat Japan Anfang Juni verkündet den 12 pazifischen Inselstaaten in den nächsten drei Jahren 400 Millionen Dollar Unterstützung zukommen zu lassen. Auch Island ist der IWC im Oktober 2002 wieder beigetreten, um die Walfängerseite zu stärken. Nur wenige der neuen Mitglieder, wie vor wenigen Tagen Israel, haben sich für die Fortsetzung der Walschutzpolitik der IWC ausgesprochen.

Walburger und Hvalmobile

Die neue IWC-Mehrheit reicht noch nicht zu einer Aufhebung des Walfangmoratoriums, das 1982 beschlossen und 1986 in Kraft gesetzt wurde. Dazu bedarf es einer Dreiviertelmehrheit und die ist noch ausser Sicht. Aber auch mit einer einfachen Mehrheit kann Japan die Arbeit der IWC stark beeinflussen. In den letzten Jahren wurde der Antrag geheim abzustimmen stets abgelehnt. Das könnte sich dieses Jahr ändern. Bei einer geheimen Abstimmung können die Delegierten abstimmen, ohne Repressionen von walfreundlichen Regierungen oder Walschutzorgansiationen zu fürchten.

Walschutz Blog

Walschutz Blog von Nicolas Entrup, WDCS

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Titelbild: Verfremdung nach The Whaling Industry at Grays Harbor. In: Puget Sound and Western Washington Cities-Towns Scenery, by Robert A. Reid, Robert A. Reid Publisher, Seattle, 1912. P. 157. © NOAA

Es ist zu erwarten, dass wissenschaftlichen Vorhaben, die die Tötung der studierten Wale beinhalten, nicht länger kritisiert sondern von der IWC abgesegnet werden. In den letzten Jahren hatte die IWC die japanischen und isländischen Forschungsvorhaben mit Verweis auf moderne, nicht letale Forschungsmethoden stets kritisiert. Nicolas Entrup, Vertreter der Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS) in St. Kitts, listet in seinem Blog zur Walfangkonferenz die möglichen Maßnahmen der Japaner auf. Dazu zählt auch, der Ausschluss nicht-staatlicher Organisationen von der Konferenz.

Warum investiert ein Land wie Japan einen so großen Aufwand in den Walfang? Es ist ja nicht so, dass die japanische Bevölkerung in Demonstrationen und Kundgebungen ihr Recht am Walfleisch einfordern würde. Vielmehr müssen sich die Walfleisch-Lobbyisten anstrengen, neue Absatzmärkte für Walprodukte zu erschliessen. So werden in Schulkantinen Walfleischtage veranstaltet, in Schnellrestaurants Walburger verkauft und Anzeigenkampagnen durchgeführt. Das reicht allerdings nicht aus, um das Fleisch, das beim sogenannten wissenschaftlichen Walfang anfällt, abzusetzen. Mittlerweile türmen sich nach Angaben der Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS) 4800 Tonnen Walfleisch in japanischen Kühlhäusern.

Auch in Norwegen ist das Interesse an den Walen nicht groß genug, um die Fänge komplett zu vermarkten. Die norwegische Nachrichtenagentur ANB kündigte Ende Mai an, dass im Juni und Juli ein "Hvalmobil" die größeren Städte Südnorwegens besuchen wird, um den Walfleischkonsum zu fördern. Solange der internationale Handel mit Zwergwalfleisch verboten ist, müssen die Norweger eben selbst zubeissen, ob's ihnen schmeckt oder nicht.

Eigentlich setzen die norwegischen Walfänger auf den Export des Walfleischs nach Asien. Sie hoffen darauf, dass sich ihre Lobbyisten bei der nächsten Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) 2007 in Den Haag, Niederlande, mit der Abstufung der Zwergwale durchsetzen können. Ob das rechtzeitig genug ist, um sich mit den norwegischen Zwergwalen eine goldene Nase zu verdienen, ist fraglich. Denn in Japan hat längst ein Preisverfall für Walprodukte eingesetzt. Im Februar meldete der ARD-Korrespondent Martin Fritz aus Tokyo einen Preis von etwa 18 Euro für ein Kilogramm Steak vom Pottwal. Das war weniger als dort für australisches Rindfleisch bezahlt wird. In Norwegen bekommen die Walfänger zur Zeit einen Garantiepreis von 29 Kronen pro Kilogramm Zwergwalfleisch. Das entspricht etwa vier Euro.

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