Walschutz
IWC Konferenz auf St. Kitts & Nevis
Cetacea.de [Feature]
Wale, Delfine und Menschen
Walschützer ausgebootet (Teil 2)
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Einige Quellen zur Belastung von Walfleisch mit Umweltgiften:
Organochlorine contaminants in northeast Atlantic minke whales (Balaenoptera acutorostrata)
Kleivane, L. et al. in Environ. Pollut. 101(2): S.231-39
Human health significance of organochlorine and mercury contaminants in Japanese whale meat
Simmonds, M.P. et al. in J. Toxicol. Environ. Health. A. 65(17): S.1211-35
Contamination by mercury and cadmium in the cetacean products from Japanese market
Endo, T. et al. in Chemosphere 54(11): P.1653-62
Total mercury, methyl mercury, and selenium levels in the red meat of small cetaceans sold for human consumption in Japan
Endo, T. et al. in Environmental Science and Technology 39(15): P.5703-5708
Distribution and toxicity of mercury in rats after oral administration of mercury-contaminated whale red meat marketed for human consumption
Endo, T. et al. in Chemosphere 61(8): P.1069-73
Impact of prenatal methylmercury exposure on neurobehavioral function at age
Debes, F. et al. in Neurotoxicol. Teratol. (): P.
Walfang 50 m vom Festland entfernt. Bericht in der Lofotposten
Gesundes Fleisch aus freier Natur?
Falls der Preis stimmen sollte, bleibt dann noch die Frage der Qualität. Wale stehen an der Spitze der Nahrungspyramide. Das bedeutet, dass sich Umweltgifte in ihnen im besonderen Maße anreichern. Im Herbst 2002 hatte Norwegen 30 Tonnen Walspeck im Meer verklappt, weil die Gehalte an PCB und Dioxin über dem für den menschlichen Verzehr erlaubten Maß lagen. Im Mai 2003 empfahlen norwegische Wissenschaftler schwangeren und stillenden Frauen, kein Walfleisch zu verzehren, da die Quecksilbergehalte zu hoch seien. Das sind keine Nachrichten, die den Walfleischkonsum anheizen.
Trotz des bestehenden Moratoriums erweitern die Walfangnationen Japan und Norwegen ihre Fangprogramme. Norwegen ist nicht an das Moratorium gebunden, da es rechtzeitig formellen Widerspruch eingelegt hatte. Dieses Jahr ist die norwegische Fangquote auf 1052 Zwergwale angewachsen. Das ist die größte Quote seit der Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs im Jahr 1993. Nicht gefangene Wale aus den Vorjahren wurden der diesjährigen Quote einfach zugeschlagen. Die Walfänger sind allerdings nicht erfreut darüber, dass über 400 Wale um die weit entfernte Insel Jan Mayen gefangen werden müssen. Dort zu fangen, kostet viel Treibstoff und der ist derzeit teuer. Da ist es ihnen lieber, wenn ihnen Treffer 50 Meter vom Festland entfernt gelingen, wie der MK «Sofie» Ende Mai bei Kvaløyvågen.
Japans wissenschaftliche Programme erreichen fast wieder die Zahlen des kommerziellen Fangs vor Einsetzung des Moratoriums. Die japanischen Walfänger haben im Rahmen ihres Antarktis Programms JARPA II gerade 853 Zwergwale und 10 Finnwale erlegt. 2007 stehen sogar Buckelwale auf der Abschussliste. Das Fangprogramm im Nordpazifik JARPN II sieht die Erlegung von 100 Seiwalen, 100 Zwergwalen, 50 Brydewalen und 5 Pottwalen vor.
Im Januar hat der brasilianische Botschafter dem japanischen Ministerium für äußere Angelegenheiten und für Fischerei eine von 17 Staaten unterzeichnete Aufforderung überbracht, den wissenschaftlichen Walfang in der Antarktis einzustellen. Deutschland gehörte hier ebenso zu den Unterzeichnern wie bei einer im April von 12 Staaten an Norwegen überreichten Aufforderung, den kommerziellen Walfang einzustellen.
Der australische Umweltminister Ian Campbell ist ein Wortführer der Walfanggegner und tritt für ein weltweites Fangmoratorium und ein Ende des sogenannten wissenschaftlichen Walfangs ein. Er hat unlängst die pazifischen Inselstaaten Kiribati, die Marshall Inseln und Vanuatu besucht, um diese von der Bedeutung des Walschutzes zu überzeugen. Die ersten Stimmen aus der Region lassen vermuten, dass er wenig Erfolg dabei hatte.
Geben die Walschützer auf?
Im letzten Jahr hatten einige der neuen IWC Mitglieder "vergessen", Delegierte zur Konferenz zu schicken. Das hatte den Walschützern ein letztes Mal eine Mehrheit gesichert. Der britische parlamentarische Staatssekretär und Minister für Meeresangelegenheiten und Tierschutz Ben Bradshaw hat vor wenigen Tagen in einem BBC Interview die Hoffnung geäussert, dass das dieses Jahr wieder passieren könne. Aber Japan hat auch dieser Hoffnung die Substanz genommen und angekündigt, die Flugkosten dieser Delegierten zu übernehmen, um ein Erscheinen auf der Konferenz zu sichern. Von den mittlerweile 70 Mitgliedsländern der IWC werden zumindest die Delegierten des Walfängerlagers vollzählig erscheinen.
Lesen Sie hier die Auftaktmeldungen der deutschen Walschutzorganisationen:
- WWF: Walschutz ist bedroht.
- Pro Wildlife: Walfang 2006: High-Tech-Barbarei.
- GSM: Walfang ohne Ende?.
- Pro Wildlife / OceanCare: Entgleister Walfang.
- Nicolas Entrup von der WDCS schreibt zur IWC sein Blog mit aktuellen Informationen und persönlichen Eindrücken.
Copyright für Text und Bilder, wenn nicht anders vermerkt: Jan Herrmann.
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Titelbild: Verfremdung nach The Whaling Industry at Grays Harbor
. In: Puget Sound and Western Washington Cities-Towns Scenery
, by Robert A. Reid, Robert A. Reid Publisher, Seattle, 1912. P. 157. © NOAA
Die deutschen Walschutzorganisationen, die Vertreter nach St. Kitts entsandt haben, vermitteln im Vorfeld der Konferenz ein düsteres Bild. Der Enthusiasmus der vergangenen Jahre wurde von der Idee den Walschutz voranzubringen beflügelt. Heute geht es nur darum einen tiefen Sturz in die Zeiten brutaler Nutzbarmachung der Natur abzufedern.
Eine Studie, wie sie vor wenigen Tagen die Organisationen Oceancare und Pro Wildlife veröffentlicht haben (Non-compliance within the IWC
), wird die neue Mehrheit in der IWC nicht interessieren. In diesem Dokument wird anhand zahlreicher Beispiele gezeigt, dass die IWC den massgeblichen Umwelt- und Fischereiabkommen in Sachen Sanktionierung von Vertragsbrüchen weit hinterherhinkt. Die beiden Organisationen fordern daher, dass die IWC unerlaubten Walfang künftig endlich hart bestrafen muss.
Die WDCS kritisiert, dass die norwegische Regierung den Walfang auch weiterhin mit der sogenannten "blue-box" überwachen und auf Beobachter verzichten will. Insbesondere wenn es darum ginge, den Zeitpunkt des Todes bei einem Wal festzustellen, seien nach Ansicht der WDCS Inspektoren aber unverzichtbar. Die Diskussion um die "blue-box" ist nur eines von vielen Beispielen, das zeigt, dass es auch für das in Planung befindliche Bewirtschaftungssystem, in dem alle Details des neuen Walfangs geregelt sein sollen, keine einvernehmliche Lösung gibt, die Walschützer und -fänger akzeptieren.
Die Walfänger werden der IWC ihre Ideen genauso kompromisslos aufdrücken, wie es die Walschützer zuvor getan haben. Erst wenn das Moratorium dem neuen Bewirtschaftungsverfahren weichen soll soll, müssen sich beide Parteien an einen Tisch setzen. Vielleicht machen sich die Walschützer auch daran, die neuen afrikanischen, karibischen und pazifischen IWC Mitglieder vom Wert des Walschutzes zu überzeugen. Immerhin ist der Tourismus für viele dieser Länder eine wichtige eigene Einnahmequelle.
Links zum Thema:
- International Whaling Commission
- Walschutzorganisationen bei der IWC
- Links zum Thema Walfang
- CITES
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© 1996-2006 Cetacea.de | J. Herrmann - http://www.cetacea.de - Donnerstag, 15. Juni 2006