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Wale, Delfine und Menschen
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Quelle dieses Textes: http://www.cetacea.de/artikel/review/2009/mcintyre_geist_in_den_wassern.php
Gerhard Schulze (1996):
Die Schweinswale.
Buchbesprechung von Jan Herrmann
Johannes Albers (Essen) hat zu dieser Buchbesprechung einen Leserbrief eingesandt, den wir den Besuchern von Cetacea.de nicht vorenthalten wollen:
Leserbrief: Das Thema "Evolution"
in Schulze (1996): Die Schweinswale
Die Rezension sagt: "Ein zugegeben etwas trockener Stoff, der aber plausibel und verständlich dargestellt wird." Nun ja:
In SCHULZE 1996, S. 13 beginnt der letzte Absatz so: "Durch ihre ausschließlich aquatische Lebensweise unterscheiden sich die Wale grundsätzlich von allen übrigen Säugetieren." Was ist mit den Seekühen? Auch sie leben rein aquatisch, werden aber schon lange nicht mehr zu den Walen gerechnet.
In der Mitte des gleichen Absatzes heißt es: "Da echte Bindeglieder zu terrestrischen Stammformen bisher noch fehlen, bilden die Wale eine sehr isolierte Gruppe." Hier hätte die Neuauflage von 1996 berücksichtigen müssen, dass in der Zeit seit der Erstauflage 1987 eine so amphibische und gut erhaltene Art wie Ambulocetus natans aus dem Eozän Pakistans gefunden worden ist.(1) Wenn das kein "echtes Bindeglied" ist, was dann?
Auf S. 14 ordnet SCHULZE den Pappocetus (Protocetidae) fälschlich in das Miozän ein. Richtig ist Eozän.(2)
Nicht tragisch, weil ohne praktische Relevanz ist es, dass auch die Neuauflage von 1996 noch auf "MÜLLER 1970" hinweist, obwohl der betreffende Band seinerseits bereits 1989 in einer überarbeiteten Neuauflage erschienen ist.(3)
Zu unkritisch erscheint es mir aber, wie SCHULZE, S. 16 von MÜLLER die Abbildung über "Umfang und die zeitliche Verteilung der 121 fossil vorgefundenen Gattungen der Zahnwale" übernimmt. Das Problem dabei: Manche Gattungen fußen nur auf äußerst fragmentarischen Einzelfunden, deren Interpretation sehr fragwürdig sein kann.
Von Phocaenopsis mantelli ist z.B. nur ein isolierter Humerus bekannt. Diese Form spricht SCHULZE, S. 16 an und ordnet sie in Übereinstimmung mit der Angabe aus MÜLLER in das Pleistozän ein. Tatsächlich aber ist der Fund dem Miozän zuzuordnen.(4)
Seit Erscheinen der Neuauflage von 1996 ist die Forschung auch in puncto Evolution der Wale vorwärts gekommen. SCHULZE, S. 14 stellt Pakicetus noch zu den Protocetidae. Doch seit Mitte 1996 führt die Wissenschaft eine eigene Familie Pakicetidae (5), die sich allgemein durchgesetzt hat.
Pakicetus ist auch nicht mehr die geologisch älteste bekannte Walgattung: Im Dezember 1998 erschien die Erstbeschreibung des noch älteren Urwals Himalayacetus subathuensis aus dem frühen Eozän Indiens.(6)
Über den Zeitpunkt, wann die Wale letztlich entstanden sind, wird noch angeregt diskutiert. Die Angabe bei SCHULZE ist etwas simpel dahingeschrieben. Wie gesagt, ich will ihn nicht mies machen und verstehe sehr wohl, dass die Evolution in "Die Schweinswale" nur einen einleitenden Nebenaspekt darstellt. Genau das ist aber in so vielen Büchern der Fall. Deshalb finden sich bei der Abhandlung der Evolution oft die dicksten "Klöpse".
Referenzen
(1) J.G.M. THEWISSEN, S.T. HUSSAIN und M. ARIF (1994):
Fossil Evidence for the Origin of Aquatic Locomotion in Archaeocete Whales.
Science 263: 210-212.
(2) Detaillierte Angaben zu den Fundschichten der Protocetidae-Arten bietet Tabelle 3 in
R.C. HULBERT, JR. et al. (1998):
A new Middle Eocene Protocetid Whale (Mammalia: Cetacea: Archaeoceti) and associated Biota from Georgia.
J. Paleont. 72: 907-927.
(3) A.H. MÜLLER (1989):
Lehrbuch der Paläozoologie. Bd. III, Teil 3. (Mammalia).
2., überarb. u. erweit. Aufl. Jena: Fischer. 809 S.
(4) R.E. FORDYCE (1981):
Redescription of Early Miocene Dolphin Phocaenopsis mantelli HUXLEY, 1859 (Odontoceti incertae sedis).
New Zealand J. Geol. Geophys. 24: 563-568.
(5) J.G.M. THEWISSEN, S.I. MADAR und S.T. HUSSAIN (1996):
Ambulocetus natans, an Eocene Cetacean (Mammalia) from Pakistan.
Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg 191. Frankfurt/M. 86 S.
(6) S. BAJPAI und PH.D. GINGERICH (1998):
A new Eocene Archaeocete (Mammalia, Cetacea) from India and the Time of Origin of Whales.
Proc. Natl. Acad. Sci. USA 95: 15464-15468.
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© 1996-2010 Cetacea.de | J. Herrmann - http://www.cetacea.de - Dienstag, 09. Februar 2010
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Schulze, G. (1996):
Die Schweinswale.
Westarp Wissenschaften, Magdeburg, 191 Seiten, 24.95 EUR. ISBN 3-89432-379-5
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