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Wale, Delfine und Menschen

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Quelle dieses Textes: http://www.cetacea.de/artikel/review/2001/tins.php

Wolfgang Tins (2001):

Walstimmen. Gesänge und Rufe aus der Tiefe

Buchbesprechung von Jan Herrmann

Auf einer Audio CD hat Dr. Wolfgang Tins, Biologe und Inhaber der Medien-Firma Terraqua Vokalisationen von Walen zusammengestellt. Dabei haben ihn namhafte Meeresbiologen (u.a. Hal Whitehead) unterstützt, indem sie Tondokumente zur Verfügung gestellt und beurteilt haben. In 59 Stücken werden auf 75 Minuten Spielzeit verteilt Töne, Rufe und Gesänge von 15 Walarten (Buckelwal, Blauwal, Grönlandwal, Glattwal, Grauwal, Pottwal, Pilotwal, Schwertwal, Weißwal, Narwal, Nördlicher Entenwal, Weißstreifendelphin, Atlantischer Gefleckter Delfin, Großer Tümmler, Schweinswal) vorgestellt. Bis auf zwei Tondokumente (1 und 59) sind alle klanglich bereinigt, Nebengeräusche sind weggefiltert und zum Teil sind Frequenzanpassungen gemacht worden, damit das menschliche Ohr in der Lage ist, die Vokalisationen zu hören, die sich eigentlich im Infra- oder Ultraschallbereich befinden. Der CD liegt ein 32 seitiges Booklet bei, aus dem grundlegende Informationen zu den Walarten und den Aufnahmen hervorgehen.

Wenn in Radio oder Fernsehen von Walgesängen die Rede ist, hört man in aller Regel die immer gleichen Buckelwalgesänge. Grund dafür ist sicherlich, dass bisher in deutschen Landen nur die Buckelwalgesänge weite Verbreitung auf LP, CD und Cassette erfahren haben (Payne: Die Gesänge der Buckelwale, Zweitausendeins). Es gibt neben den Buckelwalen aber auch andere Walarten, die interessante Laute von sich geben. Diese Vielfalt wird auf der CD des Musikverlages Edition Ample vorgestellt. Um die Vertonung von Fernsehbildern, oder Bereicherung von Hörfunkreportagen geht es bei dieser CD allerdings nicht in erster Linie. Sie richtet sich an alle Walfreunde, die sich den Walen auf akustischem Wege nähern wollen.

Wale leben in einem Medium, in dem der Schall eine ganz besondere Bedeutung sowohl für die Kommunikation als auch für die Orientierung hat. Jeder, der sich mit den besonderen Lebensumständen der Wale beschäftigt, will irgendwann mehr über das Thema Akustik wissen. Diese CD demonstriert durch "Zitate" von 15 Arten unterschiedlicher Familien die akustische Vielfalt. und stellt dadurch zunächst einmal eine ideale multimediale Ergänzung einer Walebuchsammlung dar.

Erst mit den Informationen aus dem Booklet bekommen die gehörten Sequenzen allerdings Sinn. Man stellt sich vor wie der Pottwal seine Beute "ins Ohr fasst" (Track 21) und die Einzelklicks zu einem Schnarren zusammenwachsen lässt, wie Blauwale über hunderte von Kilometern per Infraschall kommunizieren (Track 8) oder wie sich Aggressionsverhalten bei Atlantischen Gefleckten Delphinen akustisch abspielt (Track 49).

Das Booklet beschreibt die einzelnen Tracks genau und stellt weitere Informationen über die jeweilige Walart vor. Dabei werden auch aktuelle Erkenntnisse berücksichtigt. Bei den Glattwalen ist z.B. von Hinweisen auf das Vorhandensein von drei Arten (Eubalaena sp.) zu lesen (ROSENBAUM et al., 2000). Auch die Möglichkeit, dass Wale in akustisch besonders belasteteten Gebieten Gehörschäden bekommen können, wird angedeutet. Aktuelle Arbeiten dazu stammen von Michel André, der 1999 den Felix-Wankel Tierschutzpreis für seine Ideen bekommen hat (Geoskop, 2000).

Häufig wird auch auf die bedrohliche Situation einiger Walarten hingewiesen. Die Größe der Bestände sind allerdings nicht bei allen Arten angegeben. Eine besondere Rolle spielen Hinweise auf die akustische Verschmutzung durch Schiffsverkehr, Meeresindustrie, Militär und touristische Einflüsse. Je mehr man sich mit den besonderen Bedingungen der Unterwasserkommunikation beschäftigt, desto wichtiger sind diese Informationen.

Für diejenigen, die sich intensiver mit der Identifikation der Vokalisationen beschäftigen wollen, sind Track 1 und 59 naturbelassen. Nebengeräusche wurden nicht weggefiltert und jeder kann sich testen und versuchen zu raten, um welche Wale es sich in diesen Rätseltracks handelt. Aber nicht schummeln, die Antwort findet sich auf Seite 30.

Der Text im Booklet ist verständlich geschrieben. Fast bis an den Rand sind Informationen in kleiner Schrift auf 32 Seiten zusammengefasst. Wichtige Stichwörter springen dem Leser in Fettdruck ins Auge. Spätestens bei der Beschreibung der Zusammensetzung eines Buckelwal-Songs (Lied - Thema - Phrase), vermisst man allerdings die eine oder andere Zeichnung, die das geschriebene noch ergänzend illustriert. Auch die typische visuelle Wiedergabe der Calls von Schwertwalen mit entsprechender Erklärung wären eine schöne Ergänzung gewesen. Aber dafür reicht der Platz nicht. Man möchte beinahe empfehlen, den guten informativen Text des Booklets in ein grösseres Format zu einem kleinen Buch umzuwandeln. Ein paar ergänzte Grafiken und die CD in den Umschlag integriert hätte man ein noch ansehnlicheres Produkt. Allerdings wäre damit wahrscheinlich auch ein höherer Preis verbunden.

Literaturempfehlungen sollte man bei einer solchen CD nicht unbedingt erwarten, ich hätte aber einige Hinweise z.B. auf die akustischen Arbeiten der Tonlieferanten (z.B. Prof. Dr. Christopher Clark, Dr. Kathleen Dudzinski, Prof. Dr. John Ford, John Graighead George, Dr. Linda Weilgart, Prof. Dr. Hal Whitehead, Ursula Verfuss) sinnvoll gefunden. Interessierte können sich hier eine kleine Literaturauswahl ansehen

Fazit: Die Tonbeispiele sind gut ausgewählt und in akustisch einwandfreier Qualität auf die CD gelangt, das Booklet birgt komprimierte Informationen, die alle wesentlichen Informationen kompetent wiedergeben. Diese CD ist gelungen und ich wünsche ihr - gerade bei dem sehr günstigen Preis - eine weite Verbreitung unter Wal- und Meeresfreunden!



Cover CD Walstimmen

Tins, Wolfgang (2001): Walstimmen. Gesänge und Rufe aus der Tiefe. Studiobearbeitung: Markus Dingler, Redaktion Andreas Schulze. Musikverlag Edition AMPLE, Germering. ISBN: 3-935329-01-6 (CD). EUR 17,95

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Das Bild in der Titelzeile zeigt eine Szene aus der Uni-Bibliothek Bristol. Vielen Dank an Andrew Eason