Buckelwaljungtier „Lotta“ tot bei Graal-Müritz gefunden

von Jan Herrmann | cetacea.de | Wittmund | 10. Juni 2018

Bei Graal-Müritz ist ein über acht Meter langes Buckelwalweibchen tot angespült worden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um die Buckelwalkuh Lotta, die im Mai vor Schweden und Finnland gesichtet wurde. Dieses Buckelwaljungtier war drei Mal in Fischernetze geraten.

Ein toter Buckelwal ist am Sonnabend am Strand der Ostseeküste von Graal-Müritz angespült worden. Das 8,65 m lange Jungtier trieb auf Höhe der Seebrücke im Wasser. Eine Sektion im Meeresmuseum soll die Todesursache des großen Bartenwals klären.

Buckelwale sind sehr seltene Gäste in der Ostsee. In den letzten Jahren kam es allerdings regelmäßig zu Sichtungsmeldungen (2006, 2008, 2008b), im Jahr 2015 wurde sogar gemeldet, dass ein Kuh-Kalb-Paar in der Ostsee überwintert habe. Die Sichtungen 2018 beginnen Anfang Februar, als die zwei Freizeitfischer Jesper Lind und Matthijs Kildegaard Van Veldhuizen nördlich der dänischen Insel Fünen einen acht bis neun Meter langen Buckelwal gesichtet haben. Ein gleich großes und daher wahrscheinlich dasselbe Tier geriet wenige Tage später bei Dierhagen in das Stellnetz eines Fischers. Diesem gelang es am 8. Februar den Wal zu befreien und zu filmen. Das Dokumentationsvideo hat der Fischer dem Meeresmuseum Stralsund zur Verfügung gestellt. Vier Tage später haben Strandgäste bei Elmenhorst nur etwa 100 Meter von der Küste entfernt einen Wal gesichtet, bei dem es sich wiederum wahrscheinlich um das gleiche Tier handelte.

Möglicher Weg des Buckelwaljungtieres durch die Ostsee. Bild Buckelwal: Jjw, CC-BY-SA 4.0

Tief in der Ostsee werden immer wieder Fischernetze zur Gefahr

Im Mai kam es dann wieder zur Sichtung eines Buckelwals ähnlicher Größe. Eine Sichtung ist bekannt aus dem schwedischen Nordmalingsfjärden etwa 50 Kilometer südlich von Umeå. Auf gleicher Höhe weiter westlich bei Bergö nahe der finnischen Stadt Vasa bekam die Seenotrettung am 12. Mai gleich zwei Mal Alarmrufe, dass ein in Fischernetzen verhedderter Buckelwal gesichtet wurde. Bei den Versuchen, den Wal zu befreien störten zahlreiche Boote von Schaulustigen die Aktion. Nach Auskunft von Samu Hiljanen von der Åbo Sjöräddningscentral wurde der Wal dadurch sichtlich gestresst, so dass die Freizeitboote Platzverbot bekommen mussten. Es gelang, den Wal zu befreien, so dass dieser sich nach einiger Wartezeit auf den Weg nach Süden machte. Die junge Walkuh wurde „Lotta“ getauft.
Die Freude währte nicht lange. Schon drei Tage später, am Dienstag, den 15. Mai verfing sich die Buckelwalkuh wieder, diesmal in einem Lachsnetz in der Nähe von Raumo, etwa 200 Kilometer südlich von Vasa. Auch hier gelang es der Patrouille der Seenotrettung und den Fischern, den Wal zu befreien.

Buckelwale im Nordatlantik

Buckelwale des Nordatlantiks werden im Winter in tropischen und subtropischen Gewässern (v.a. Westindische Inseln und Kap Verde/ Westafrika) mit einer Körperlänge von etwas über vier Metern und einem Gewicht von ca. 650 Kilogramm geboren. Kälber bleiben meist ein Jahr, selten länger bei der Kuh. Nach einem Jahr erreicht ein Buckelwaljungtier eine Körperlänge von etwa acht bis zehn Metern und wird selbstständig. Buckelwale sind bekannt für spektakuläre Jagdtechniken, die unter Einsatz von Luftblasennetzen und an vielen Orten der Welt auch kooperativ geschehen. Lieblingsspeise sind kleine Schwarmfische. Im Sommer halten sich Buckelwale im Nordatlantik in den Gewässern des Golfs von Maine, des Golfs von St. Lawrence, Neufundlands, Labradors, Grönlands, Islands und Norwegens auf.

Quellen

Links

Über Wale in schwedischen Gewässern informiert valar.se vom Naturhistorischen Museum Göteborg.

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