Sind Sonnenstürme Grund für die Pottwalstrandungen des Frühjahrs 2016?

Pottwal-Strandungen sind an unseren Küsten ein seltenes aber vielbeachtetes Phänomen. Obwohl die Nordsee keinen Lebensraum für diese imposanten Meeressäuger bietet, kam es Anfang 2016 an der englischen, französischen, niederländischen und deutschen Nordseeküste zu 29 Strandungen. „Die Untersuchungen der Walkadaver ergaben, dass anscheinend keine der vielen bekannten Ursachen bei diesen Fällen zutrafen“, beschreibt Dr. Klaus Heinrich Vanselow vom Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ) den Ausgangspunkt für seine Forschungen.

Erste SCANS III Ergebnisse: Walbestände sind stabil

Für das Projekt „SCANS-III – Verbreitung und Populationsgröße von Walen im europäischen Atlantik“ zählte eine internationale Forschergruppe im Sommer 2016 Wale, Delphine und Schweinswale im europäischen Atlantik, um eine Aussage über die Größe der Populationen und die Verbreitung der Tiere treffen zu können. Insgesamt ermittelten sie etwa 1,5 Millionen Tiere. Für SCANS-III arbeiteten Wissenschaftlerinnen und … Weiterlesen

Nicht nur freundlich: Große Tümmler attackieren Schweinswale in der Ostsee

Seit 2015 wurden in der dänischen und deutschen Ostsee vier Große Tümmler (Tursiops truncatus) registriert. Die Delfine hielten sich einzeln oder paarweise in der Bucht bzw. in den Förden von Fredericia, Flensburg, Eckernförde, Kiel und im Großen Belt auf. Dort erregten sie großes Interesse und einige Menschen versuchten mit den Delfinen zu schwimmen. „Das ist jedoch keinesfalls ungefährlich“, sagt Professorin Dr. Ursula Siebert, Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), „die marinen Säugetiere können Träger von Infektionen sein, die auf den Menschen übertragbar sind. Außerdem können sie sich anderen Lebewesen gegenüber aggressiv verhalten – wie die Attacken auf Schweinswale zeigen.“

Zwergwale und Riesenhaie in der deutschen Nordsee gesichtet

Seltene Beobachtungen sind im Juni im Rahmen des deutschen Meeresmonitorings in der Nordsee gelungen: Im deutschen Natura 2000-Schutzgebiet Doggerbank wurden zwei Zwergwale beobachtet, nahe des Schutzgebiets Sylter Außenriff wurde ein Riesenhai gesichtet. „Die vermehrten Sichtungen unterstreichen die Bedeutung der Natura 2000-Schutzgebiete, insbesondere der Doggerbank, in der deutschen Nordsee und auch international“, sagt BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.

Schweinswale: Bitte Ruhe bei Tisch

Extremes Jagdverhalten macht Schweinswale anfällig für Störungen. Internationales Wissenschaftlerteam veröffentlicht Studie über Fressgewohnheiten.

Schweinswale zählen zu den kleinsten und am weitesten verbreiteten maritimen Säugetieren. Aufgrund ihrer geringen Größe von etwa anderthalb Metern und einem Gewicht von durchschnittlich 50 Kilogramm, müssen sie, um in den vergleichsweise kalten Gewässern, in denen sie heimisch sind, ausreichend Nahrung zu sich nehmen, damit sie ihre Körpertemperatur aufrecht erhalten können. Eigentlich leben eher größere Wale in kalten Gewässern – aufgrund ihrer Körpermasse ist es für sie leichter, nicht zu unterkühlen.

Schweinswal mit Saugnapf-Rekorder. Foto: Monika Dyndo, Fjord & Bælt Centre
Schweinswal mit Saugnapf-Rekorder. Foto: Monika Dyndo, Fjord & Bælt Centre

Bisherige Studien mit Sendern ließen darauf schließen, dass Schweinswale unregelmäßig fressen. Diese Erkenntnis passte aber nicht zu den vielen kleinen Fischen, die in den Mägen gestrandeter Schweinswale gefunden wurden. In der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Current Biology berichten Wissenschaftler aus Deutschland, Dänemark und Schottland, dass Schweinswale Tag und Nacht durchgehend kleine Fische mit weniger als fünf Zentimetern Länge jagen. Sie fangen etwa 3.000 Fische am Tag. Das entspricht einer Erfolgsrate von über 90 Prozent – Schweinswale gehören damit zu den erfolgreichsten bekannten Raubtieren.

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Berichte zu den gestrandeten Pottwalen

Nachdem das (oberflächliche) Interesse an den Anfang des Jahres gestrandeten Pottwale in der Tagespresse abgeebbt ist, sind nun zwei lesenswerte Artikel in jüngst erschienenen Magazinen veröffentlicht worden. Die Fluke und die Zeitschrift „Natur- und Umweltschutz“ fassen die Geschehnisse zusammen und gehen dem Strandungsgeschehen auf den Grund.

Zeitschrift Fluke 1/2016
Zeitschrift Fluke 1/2016

Anfang Mai lag die in Emden produzierte Fluke in den Briefkästen der Abonnenten. Darin findet sich auf vier Seiten der Artikel „Pottwalstrandungen. Was wir wissen und nicht wissen“ von Dr. Chris Smeenk. Dieser Bericht stellt eine Aktualisierung und Zusammenfassung der nach wie vor aussagekräftigen Publikation von Chris Smeenk aus dem Jahr 1997 dar (SMEENK, C. (1997): Strandings of sperm whales Physeter macrocephalus in the North Sea: history and patterns in: T. G. JACQUES und R. H. LAMBERTSEN (Hrsg.): 67, Supplement. Verlag Royal Society of Natural Sciences of Belgium, Brussel, Belgium, S. 15-28). Wie üblich finden Walfreunde viele weitere interessante Berichte in der Fluke.

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Finnwal aus der Zoologischen Sammlung der Universität Hamburg wird erforscht

In der Sammlung des Centrums für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg befindet sich seit den frühen 1950er Jahren ein weltweit einzigartiges Skelett eines Finnwals: Das Tier überstand zu Lebzeiten die Kollision mit einem Schiff – mit zahlreichen Knochenbrüchen an Wirbeln, Rippen und Schulterblatt, die allerdings vollständig verheilten. Daher wird „Finni“ nun Bestandteil eines Verbundprojektes zum Thema „Marine Mammals in a Changing Environment“. Das Projekt, das die Auswirkungen verschiedener Umweltbedingungen auf marine Säugetiere untersucht, startet im CeNak am 1. April 2016 und wird mit insgesamt 421.000 Euro von der VolkswagenStiftung gefördert.

Schädel des Finnwals "Finni" im Foyer des Centrums für Naturkunde. Bild: Daniel Bein
Schädel des Finnwals „Finni“ im Foyer des Centrums für Naturkunde. Bild: Daniel Bein

„Kollisionen mit Handels- oder Kriegsschiffen gehören heute zu den größten Gefahren, denen Großwale auf den Weltmeeren ausgesetzt sind“, erklärt Prof. Dr. Thomas Kaiser, Leiter der Abteilung Säugetiere und Paläoanthropologie des CeNak, wo das Projekt auf Hamburger Seite durchgeführt wird. Zwar seien die Schiffe zu Lebzeiten von „Finni“ noch langsamer unterwegs und die Überlebenschancen für Wale bei einer Kollision somit erheblich größer gewesen, dennoch könne das Skelett wichtige Aufschlüsse darüber geben, welche Kräfte bei dem Unfall gewirkt hätten.

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Gestrandete Pottwale – Untersuchungsergebnisse von TiHo und GEOMAR

Große Mengen Plastikmüll in den Mägen gefunden – Umweltminister Habeck: „Das mahnt uns, verstärkt gegen Müll im Meer vorzugehen.“

Um die tonnenschweren Pottwale zu untersuchen, war schweres Gerät erforderlich. Foto: Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung
Um die tonnenschweren Pottwale zu untersuchen, war schweres Gerät erforderlich. Foto: Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung

Plastikmüll in Pottwalmägen

Bei der Untersuchung der in Schleswig-Holstein gestrandeten Pottwale sind große Mengen Müll entdeckt worden. Vier der 13 Wale hatten teils große Mengen Plastikmüll in ihren Mägen. Dies war zwar nicht der Grund für die Strandung und den Tod der Tiere, spiegelt aber die Situation auf dem offenen Meer wider. Tierärzte und Biologen vermuten, dass die besonders betroffenen Tiere große gesundheitliche Probleme durch die Reste des Mülls bekommen hätten. Das wurde bei der Präsentation der Untersuchungsergebnisse heute (23. März) im Multimar Wattforum in Tönning deutlich.

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Faszination Wale – Mensch. Wal. Pazifik. Ausstellung im Übersee-Museum Bremen

Heute eröffnet im Bremer Übersee-Museum die Ausstellung „Faszination Wale – Mensch. Wal. Pazifik.“ Bis zum 24. April 2016 sind hier Wal-Modelle, Skelette und viele Informationen über Wale, Walfang und Walforschung zu bestaunen.

Besucherin am Skelett eines Pottwals © Übersee-Museum Bremen, Foto: Matthias Haase
Besucherin am Skelett eines Pottwals © Übersee-Museum Bremen, Foto: Matthias Haase

Nachdem das Naturhistorische Museum Braunschweig 2011-2012 mit „Wunderbare Wale“ und das LWL-Museum für Naturkunde 2012-2014 mit „Wale – Riesen der Meere“ vorgelegt haben, wirbt jetzt das Übersee-Museum in Bremen um Besucher, die sich von den großen Meeressäugern faszinieren lassen wollen. Die Messlatte liegt hoch, sind doch über 300.000 Menschen durch die Wal-Schau in Münster gezogen.

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„Scanning Lisa“: Der Narwalschädel des Centrums für Naturkunde wird erforscht

Auch die „Mona Lisa der Hamburger Naturkunde“ ist einzigartig: Nur 20 Narwalschädel mit gleich zwei Stoßzähnen sind weltweit bekannt, und bisher wird nur einer einem weiblichen Tier zugeschrieben, nämlich „Lisa“ aus der Zoologischen Sammlung des Centrums für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg, die man laut einem historischen Bericht zusammen mit ihrem ungeborenen Jungtier fing. Diese Zuordnung wird nun als Teil einer aktuellen wissenschaftlichen Untersuchung erstmals auf die Probe gestellt.

Während die Herkunft des mehr als 300 Jahre alten Schädels zwar bekannt ist, konnte eine genaue Bestimmung des Geschlechts bisher nicht erfolgen. Auch die Frage, wozu Narwale ihre gewaltigen Stoßzähne überhaupt brauchen, ist noch ungeklärt. Um hier Aufschluss zu bekommen, werden am CeNak jetzt entsprechende Studien durchgeführt.

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