Großer Pottwal vor der niederländischen Küste verendet

von Jan Herrmann | cetacea.de | Wittmund | 27. Juni 2018

Vor der niederländischen Küste verendeter Pottwal wird von der tiermedizinischen Fakultät der Universität Utrecht untersucht. Der Zeitpunkt für eine Pottwalsichtung in der Nordsee ist unüblich.

Pottwal vor Den Helder, Niederlande. Bild: Nederlandse Kustwacht

Am Montag, den 25. Juni meldete die niederländische Küstenwache die Sichtung eines Pottwales vor Den Helder, südlich der Insel Texel. Der Wal war am Vormittag von einem Schiff aus gesichtet worden und wurde durch die Nichtregierungsorganisation SOS Dolfijn als Pottwal identifiziert. Das Tier machte einen geschwächten Eindruck. Den beteiligten Fachleuten von Küstenwache, Seenotrettungsorganisation der Niederlande KNRM und SOS Dolfijn war schnell klar, dass der Pottwal nicht umgeleitet werden konnte. So beschränkte man sich darauf, die umgebende Schifffahrt zu informieren und Zusammenstöße zu verhindern. Nach mehreren Sichtungen wurde am Dienstagabend der Tod des Wales festgestellt.

Untersuchung hat begonnen

Der Körper des Pottwales wurde nach Harlingen geschleppt und dort verladen, um von einem Team der tiermedizinischen Fakultät der Universität Utrecht seziert zu werden. Die Leiterin des Untersuchungsteams, Lonneke IJsseldijk, hat erste Befunde gemeldet: Es handelt sich um einen 47 Tonnen schweren männlichen Pottwal von 15,2 m Länge. Interesse am Skelett hat das Naturalis Biodiversity Center in Leiden verkündet.

Pottwale auf Wanderschaft

Ältere männliche Pottwale der von Strandungen in der Nordsee meist betroffenen Population ziehen zum Sommer in den Norden bis in die Norwegische See und darüber hinaus. Zum Winter hin ziehen sie in die warmen Gewässer um Madeira oder die Azoren, um sich dort fortzupflanzen. Die Wanderroute führt zwischen den Färöer-Inseln und den Shetland-Inseln westlich der britischen Inseln entlang. Die nach Norden offene Nordsee darf nicht aufgesucht werden.

Nordsee als Pottwal-Falle

Monatliche Verteilung von 363 Pottwalstrandungen an Nordseeküsten zwischen 1255 und 2018

Geraten Pottwale in die Nordsee, befinden sie sich schnell in einer Art Pottwal-Reuse. Das Wasser wird von wenigen hundert Metern bis zu wenigen zehn Metern immer flacher, die Küsten weisen an vielen Stellen flach auslaufenden Boden auf. Dieser Lebensraum ist für Pottwale komplett unbekannt und die Orientierung muss den großen Walen sehr schwer fallen. Die Tide und der menschgemachte Lärm durch Schiffsverkehr oder große Anlagen wie z.B. Öl- oder Gasbohrplattformen erschweren die Orientierung zusätzlich. Pottwale des norwegischen Nordostatlantiks ernähren sich in der Regel von Tintenfischen, die in großer Tiefe leben. In der flachen Nordsee gibt es kaum Beutetiere für die Pottwale.
Unüblich ist der Strandungszeitpunkt dieses Pottwals. Die meisten Strandungen in der Nordsee finden in den Wintermonaten zwischen November und März statt.

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