Island zwischen Walfang und Walbeobachtung – ein Erfahrungsbericht

von | | | 4. Februar 2003

Dr. med. vet. Corina Gericke
Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.

Vortrag am Mittwoch, 4. Februar 2003
an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Museumsgebäude

 

Zusammenfassung
Island begann erst 1935 mit dem kommerziellen Walfang und beendete ihn – auf Druck internationaler Proteste – im Jahr 1989, drei Jahre nach Inkrafttreten des internationalen Moratoriums der Internationalen Walfangkommission (IWC). Viele Isländer empfanden es als eine Niederlage, sich dem Willen der internationalen Gemeinschaft unterworfen zu haben. Der Ruf, den Walfang wieder aufzunehmen, wurde immer lauter. Die Wale hätten sich so stark vermehrt, sie fräßen zu viel Fisch, war die offizielle Begründung.

Seit 1995 entwickelte sich in Island eine neue, ausgesprochen erfolgreiche Tourismusbranche, das Whale-Watching. Leider konnte der enorme Boom des Walbeobachtungs-Tourismus, 2002 gingen rund 62.000 Menschen auf Walbeobachtungstour gegenüber 2.000 sieben Jahre zuvor, nicht verhindern, dass Island den Walfang im Sommer 2003 nach 14 Jahren Abstinenz wieder aufnahm. Aus wissenschaftlichen Gründen wurden 36 Zwergwale abgeschlachtet. Dass die Wissenschaft hier nur vorgeschoben wird, um das Moratorium der IWC zu umgehen, liegt auf der Hand. Angeblich will man herausfinden, welchen Einfluss Zwergwale auf die Population des Kabeljaus haben. Doch die wenigen Zwergwale für die schwindenden Kabeljaubestände verantwortlich machen zu wollen, geht völlig an der Realität vorbei. Der Raubbau der Meere wird einzig und allein durch den Menschen betrieben.

Der überwiegende Teil der einheimischen Bevölkerung geht davon aus, dass Wale zu den natürlichen Ressourcen der Meere gehören, die es zu nutzen gilt. Ethische Argumente gegen den Walfang nützen hier wenig. Man muss den Menschen klar machen, dass eine friedliche Nutzung der Wale – also Angucken statt Abschießen – sehr viel lukrativer und vor allem auch nachhaltiger ist, als Walfang. Die Stärkung des Whale-Watching ist somit, neben dem Druck von außen, die wichtigste Chance, damit das Abschlachten der Meeresriesen wieder eingestellt wird.

 

Empfohlene Literatur

PARSONS, E. C. M. und C. RAWLES (2003):
The resumption of whaling by Iceland and the potential negative impact in the Icelandic whale-watching market.
Current issues in Tourism 6, S. 444-448

 

Empfohlene Internetadressen

GERICKE, C. (2002):
Island – Urlaub im Zeichen des Wals.
http://www.cetacea.de/?p=967(Besucht 23. Januar 2005)

GERICKE, C. (2005):
Húsavík – Hauptstadt der Walbeobachter.
http://www.husavik.de (Besucht 23. Januar 2005)

BJÖRGVINSSON, . (2005):
The Husavik Whale Centre.
http://www.icewhale.is (Besucht 23. Januar 2005)