Jahresarchiv für 2002

QiQi ist tot: Der letzte Baiji

Wuhan, 14. Juli 2002 (cetacea.de)

Der einzige in Gefangenschaft gehaltene Baiji ist gestorben

Der einzige in Gefangenschaft gehaltene Chinesische Flussdelphin QiQi ist gestorben. Dr. Zhang Xianfeng, ein Walexperte am Hydrobiologischen Institut in Wuhan vermutet, dass QiQi an Altersschwäche gestorben sei. Es werde aber noch eine genauere Untersuchung der Todesursachen durchgeführt.

Das Wissen um den Chinesischen Flussdelphin ist zu grossen Anteilen diesem Delphin-Männchen zu verdanken, dass 22,5 Jahre alleine in einem 300 qm grossen Becken gelebt hat. Am 11. Januar 1980 wurde QiQi von einem Fischer gefangen und am folgenden Tag in sein Becken gebracht. Zu diesem Zeitpunkt war er 1,47 m lang und wog 36,5 kg. Sein Alter wurde auf zwei Jahre geschätzt.

Der Chinesische Flussdelphin ist die am stärksten bedrohte Walart und der Bestand wird auf unter 50 Tiere geschätzt. Baijis sind seit Millionen von Jahren im Yangtze heimisch, Fischerei und Umweltverschmutzung haben diesen Delphinen aber so stark zugesetzt, dass eine Rettung dieser Art heute aussichtslos erscheint. Die Vollendung des mit deutscher Förderung erstellten Drei Schluchten Dammes wird den Tieren wahrscheinlich das Ende bereiten.

Seit 1997 wird jeden November eine aufwändige Sichtung auf 1900 km des Yangtze Flusses durchgeführt. In den letzten Jahren wurden trotz Einsatzes moderner Geräte aber nur 5-7 Tiere gesichtet.

Nun sollen in einem letzten verzweifelten Versuch alle noch im Yangtze vorkommenden Baijis gefangen und in einem abgesperrten Seitenarm des Yangtze gehalten und gepflegt werden. Dieses Schutzgebiet bei Shishou wurde 1992 etabliert. Erfolge bei der Vermehrung von Finnenlosen Schweinswalen in diesem Reservat, lassen die Vertreter der Akademie der Wissenschaften auf eine Rettung hoffen.

Wenn Töne gefährlich werden

Hannover, 21. Januar 2002 (Cetacea.de)

Vortrag am 29. Januar

Am 29. Januar hält die Biologin Linda Weilgart im Rahmen der Vortragsreihe Wal und Mensch den Vortrag: Wenn Töne gefährlich werden. Der Pottwal und Schall: seine Kommunikations-Signale und Lärmverschmutzung durch neue militärische Sonare

Die Walforscherin und Konsulentin der WDCS, der weltweit größten Wal- und Delfinschutzorganisation, begibt sich in ihrem Vortrag auf eine atemberaubende Reise, die auf den Spuren der Wale von Florida nach Neuseeland und wieder zurück nach Kanada führt. Sie erzählt von den nicht einfachen Bedingungen, die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu erforschen und gleichzeitig Monate mit der Familie an Bord eines Bootes zu leben.

Außerdem wird Linda Weilgart in ihrem Vortrag auch die Ergebnisse ihrer Forschung über die Kommunikation von Pottwalen vorstellen und auf eine neue Gefahr für die in einer akustischen Welt lebenden Meeressäuger eingehen. Echo-Ortungssysteme, die v.a. von der US-Navy und der NATO zum Aufspüren von Objekten unter Wasser verwendet werden, führen nachweislich zu Strandungen von Walen und Delfinen oder könnten dazu führen, dass die Tiere aus für sie lebenswichtigen Gebieten vertrieben werden. In einigen Fällen sind die Tiere auch an den Folgen der intensiven Schallwellen gestorben, wie selbst die US-Navy kürzlich in einem Bericht über eine Massenstrandung auf den Bahamas im März 2000 bestätigt.

Linda Weilgart, Expertin für die Kommunikation zwischen Pottwalen, warnt vor den weitreichenden Folgen militärischer Sonar-Systeme, die in ihrer Komplexität noch nicht abschätzbar sind: Die bis jetzt bekannten Auswirkungen machen bereits deutlich, wie gefährlich, ja tödlich marine Sonare sein können. Wir spielen russisches Roulette mit unseren Meeren.

Weitere Informationen zum Vortrag erhalten Sie auf der Internetseite des Vortrags. Der Vortrag wird durch die Whale and Dolphin Conservation Society Deutschland unterstützt.

Satellitenüberwachung für Wale

Tokyo, 9. Januar 2002 (cetacea.de)
Tomonao Hayashi, © J. Herrmann

Prof. Hayashi

Im Herbst 2002 soll ein Satellit in eine Umlaufbahn in 800 km Höhe gebracht werden, der die Bewegungen von Walen über einen sehr langen Zeitraum aufnehmen kann, kündigte die japanische National Space Development Agency (NASDA) am 8. Januar an. Das WEOSS (Whale Ecology Observation Satellite System) soll im Oktober vom Tanegashima Space Center (TNSC) auf seine Umlaufbahn geschossen werden.

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Walfarm in Japan

Nagasaki, 6. Januar 2002 (cetacea.de)

Die Pressemitteilungen aus Japan sind für Walfreunde in der Regel erschreckend. Nun kommt auch eine, die eher in die amüsante Kategorie einzuordnen ist. Solange jedenfalls, bis tatsächlich jemand versucht, dieses Vorhaben in das Reale umzusetzen

Bei Kyodo News ist zu lesen, dass die Stadt Hirado in der Nagasaki Präfektur eine Walfarm vor der eigenen Küste aufbauen möchte. In den Gewässern südlich von Hirado soll ein 2000 Quadratmeter grosses Gebiet abgegezäunt werden. Dahinein sollen Zwergwale, die sich in der Nähe in Netzen verfangen, gebracht werden. Der Bürgermeister von Hirado, Makoto Shirahama, will sich jedenfalls daran machen, einen großen Traum zu verwirklichen.

Kommentar: Ich nehme mal an, dass es sich bei den 2000 Quadratmetern (40 x 50 Meter) um einen Schreibfehler in der Pressemitteilung handelt. Andere Probleme (Ernährung, Bedürfnisse der Wale) werden in der Pressemitteilung selbst genannt. Wann ist in Japan eigentlich der 1. April? Wir werden darauf achten, ob dieser Nachricht tatsächlich Taten folgen. Bis dahin empfinden wir diese Nachricht als ein Pressegag und nehmen sie nicht wirklich ernst.

Verhaltensbiologische Praktikumskurse

Berlin, 6. Januar 2002 (meer ev)

M.E.E.R. e.V. bei der Arbeit © F. Ritter

Zwei Wochen Wale und Delphine der Kanarischen Inseln erleben und die Theorie und Praxis der Verhaltensforschung kennenlernen. Der Praktikumskurs führt in die verschiedenen Stadien der Verhaltensforschung ein von der Datenaufnahme bis zur Dateneingabe in den Computer und bietet darüber hinaus ein breites Spektrum an Hintergrundinformationen zum Thema Whale Watching. Die Forschungen des gemeinnützigen Vereins M.E.E.R. finden an Bord von kleinen Whale Watching-Booten statt. Das Untersuchungsgebiet im Süden der Insel La Gomera beheimatet eine Vielzahl von Wal- und Delphinarten.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die Interaktionen der Tiere mit den Booten, die aufgrund der hohen Artenvielfalt vergleichend studiert werden. Die Untersuchungen sind darüber hinaus Teil eines umfassenden Konzeptes, das den Whale Watching-Tourismus mit wissenschaftlicher Datenerhebung und Öffentlichkeitsarbeit verbindet und dem Schutz der Tiere und ihres Lebensraumes dient. Dem Projekt M.E.E.R. La Gomera wurde 2001 die internationale Umweltauszeichnung “Tourismus und Umwelt” verliehen.

Termine: 24. April – 08. Mai 2002, 10. Mai – 24. Mai 2002, WEITERE TERMINE IM HERBST!
Preis: 765.- EURO, Im Preis enthalten: 7 Whale Watching-Exkursionen, 4 Arbeitstreffen, 2 Diavorträge, Unterbringung in Appartments, wissenschaftliche Supervision, Spende an M.E.E.R. e.V., Teilnahmezertifikat. Teilnehmerzahl: max. 9.

Voraussetzungen: Sprache: Englisch (internationale Gruppen). Alter: ab 18. Keine besonderen Vorkenntnisse nötig. Erfahrungen in der Verhaltensforschung/Fotografie sind hilfreich.
Weitere Informationen bei Fabian Ritter (meer (bei) infocanarias.com)

Fabian Ritter hat am 19.12. die Vortragsreihe Wal und Mensch 2001/02 mit einem Vortrag über das M.E.E.R. e.V. Projekt eröffnet. Informationen über den Verein gibt es auf der Homepage: www.m-e-e-r.de. Das Photo stammt von M.E.E.R. e.V.

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