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Walfang und kein Ende
- Norwegen vernichtet Walfleisch - und erhöht die Fangquoten
- Japanische Walfänger "erfolgreich" zurück
- Island ist wieder Mitglied bei der Internationalen
Walfang-Kommission
Hamburg, 22. Oktober 2002 -
Nachdem Norwegen im Sommer etwa 30 Tonnen Walfleisch vernichtet hat, gibt es wieder freie Kapazitäten. Statt 671 Zwergwale, genehmigte sich Norwegen schon jetzt für die kommende Fangsaison im nördlichen Atlantik eine Quote von 711 Zwergwalen. 2002 wurden 643 getötet, offensichtlich mehr, als die Nordmänner gebrauchen können.
Abgesehen von Fang und Vernichtung, hat Norwegen auch wieder den internationalen Handel mit Walprodukten aufgenommen. Im Sommer 2002 wurden acht Tonnen nach Island verschifft, Ende September noch einmal 17 Tonnen Blubber (Walspeck), den in Norwegen kaum jemand isst und in
Japan wegen der hohen Schadstoffbelastung niemand essen will. Für weitere 30 Tonnen soll ein Vertrag mit Island bestehen. Oder sind das die 30 Tonnen, die vernichtet wurden? Viele offene Fragen.
Der Handel ist möglich, weil Norwegen und Island, wie auch Japan, gegen das internationale Handelsverbot durch das "Washingtoner Artenschutzabkommen" (WA oder CITES) "Vorbehalt" eingelegt haben und deshalb rechtlich nicht gebunden sind. Japan wird zudem anlässlich der 12. WA-Tagung in Chile im November 2002 versuchen, das Handelsverbot für Zwerg- und Bryde´s Wale zu kippen.
Während die Japaner im vorigen Jahr im westlichen Nordpazifik 100
Zwergwale, 50 Brydewale und acht Pottwale abgeschossen haben, kamen
die japanischen Fangschiffe nach der Sommersaison mit 150 Zwergwalen, 50 Brydewalen und fünf Pottwalen zurück. Nach 26 Jahren Schonzeit kamen noch 39 Seiwale hinzu. Im vorigen Jahr wurde nur ein Seiwal - angeblich aus Versehen - getötet.
Damit hat Japan allein die Quoten in der nördlichen Hemisphäre in den beiden letzten Jahren fast verdoppelt und bewiesen, wie ernst das Fangverbot (Moratorium) genommen wird. Die Fänge in den antarktischen Gewässern sind im Winter fällig, wenn es in der Antarktis Sommer wird. 2001/02 wurden 440 Zwergwale abgeschossen.
Im Rahmen einer außergewöhnlichen IWC-Sitzung im Oktober 2002 im britischen Cambridge ist es Island gelungen, der IWC nach etwa 10 Jahren wieder beizutreten. Der Skandal bei diesem "Schachzug": Während Island vor dem Verlassen der IWC das Moratorium noch
anerkannt hatte, hat es jetzt mit dem Wieder-Beitritt einen Vorbehalt gegen das Fangverbot verknüpft. Weil einige (walfreundliche)
IWC-Mitglieder diesen Winkelzug als juristisch nicht akzeptabel fanden, wurde über Islands Beitritt abgestimmt. Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Island durfte bei dieser Abstimmung schon mitstimmen - und wurde zum Zünglein an der Waage. Mit 19 ja und 18 nein Stimmen wurde Island wieder Mitglied in der IWC, ohne das Moratorium anerkennen zu müssen.
Zwar hat Island angekündigt, den kommerziellen Walfang vor 2006 nicht aufnehmen zu wollen, doch wird im Fischereiministerium bereits heute laut darüber nachgedacht, 250 Zwergwale, 200 Finnwale und 68 Seiwale im Sommer 2003 - nach japanischem Muster - unter dem Deckmantel der Wissenschaft - zu harpunieren. Die Produkte, so darf man annehmen, werden dann ins immer walfleischhungrige Japan
verschifft.
Darüber, dass Finn- und Seiwale (wie auch Pottwale) anlässlich der 7. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention zum Schutz Wandernder Wildlebender Tierarten im September 2002 mit dem Anhang I einen weiteren Schutzstatus bekommen haben, setzt sich Island vermutlich genauso hinweg, wie über andere Konventionen. Island und Japan sind keine Mitglieder bei CMS, wie die Bonner Konvention international heißt. Mitglied Norwegen hat hier bereits seinen
Vorbehalt angekündigt, wie gegen die Aufnahme aller marinen Tiere, so Norwegens Delegationsleiter.
Und last but not least sind da noch die Färinger. Auf den
dänisch-autonomen Inseln im Nordatlantik will man sich nur ungern mit dem Fleisch von Grindwalen zufrieden geben, sondern liebäugelt einmal wieder mit zusätzlichen Finn- und Seiwalen.
Dies ist eine gemeinsame Presseerklärung von:
GMS Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere e.V., Deutsche Umwelthilfe, DNR Deutscher Naturschutzring und International Fund for Animal Welfare
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