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++  Montag, der 23. Februar 2004  ++

 
 

Neuer Lärm-Angriff bedroht Delphine und Wale

Katastrophale Schockwellen-Attacke geplant: Im Golf von Mexiko setzen Forscher das Leben von über 10’000 Walen und Delphinen aufs Spiel. Dies mit dem Ziel, durch seismische Extremtests einen Untersee-Krater zu erforschen.

ASMS Ocean Care Wädenswil, 23. Februar 2003 - «Sie wollen eine Katastrophe aus ältester Vergangenheit erforschen. Doch sie sind drauf und dran, damit ganz aktuell eine echte Katastrophe heraufzubeschwören.» Sigrid Lüber äussert sich «fassungslos» über ein geplantes Experiment, das US-Wissenschafter im Golf von Mexiko durchführen wollen. Die Präsidentin von ASMS OceanCare, der Schweizerischen Arbeitsgruppe zum Schutz der Meeressäuger, spricht von Forschern der University of Cambridge und der University of Texas.
Diese wollen im Bereich des gewaltigen Chicxulub-Kraters nord–östlich der Halbinsel Yucatan seismische Tests durchführen. Bereits ist die «Maurice Ewing», ein amerikanisches Spezialschiff für derartige Tests, mit prominenten Wissenschaftern unterwegs zum Untersuchungsgebiet. Die Forscher wollen den gewaltigen Untersee-Krater genauer unter die Lupe nehmen. Sie glauben, dass er vom Kometenein–schlag vor rund 65 Millionen Jahren herrühren könnte, der die Dinosaurier zum Aussterben brachte.
Zur seismischen Erfassung des Kraters muss die «Maurice Ewing» mittels Explosio–nen extrem starke und laute Schockwellen im Wasser aussenden. An der Quelle wer–den Schallwellen mit einer Lautstärke bis zu 255 Dezibel erzeugt, noch weit lauter als der äusserst schädliche Lärm von militärischen Sonartests. «Ein fast unvorstell–barer Krach», rechnet Sigrid Lüber vor: «Der wissenschaftlich gesetzte Lärmbelas–tungsgrenzwert für Fische liegt bei 150 Dezibel. Doch die Dezibel-Skala ist logarith–misch. Bereits 160 Dezibel sind zehnmal lauter als der Grenzwert von 150.»
Daher befürchten Biologen und Schutzorganisationen eine Katastrophe für die Wale, Delphine und alle anderen andere Meeresbewohner vor Yucatan. «Solch extreme Schockwellen können tödlich wirken», warnt Sigrid Lüber: Sie zerstören das hochempfindliche Gehörsystem von Meeressäugern und anderen Tieren, das für deren Orientierung, Kommunikation und Beutefang aber überlebenswichtig ist. Für die Meerestiere in der betroffenen Untersuchungszone gibt es kein Entrinnen.
Über 10.000 Meeressäuger werden von der Lärm-Attacke akut betroffen sein, darun–ter 16 Wal- und 9 Delphinarten. Diese Zahlen basieren nicht auf Schätzungen von Umweltschützern, sondern sind Grundlage des offiziellen Antrags der Wissenschafter zur Bewilligung der seismischen Tests. Dabei haben die Schockwellen der «Maurice Ewing» bei Tests erwiesenermassen bereits in der Vergangenheit mehrmals zu gehäuften Todesfällen und Massenstrandungen von Meeressäugern geführt.
Noch ist keine definitive behördliche Bewilligung für den Lärm-Angriff ausgestellt. Und mittlerweile haben sich weltweit über 100 Tierschutzorganisationen den Protes–ten gegen diese Tests angeschlossen. Sigrid Lüber hofft daher, dass dieses « sinn–lose, hochgefährliche Spiel mit dem Feuer», in letzter Minute abgewendet werden kann. «Bei allem Respekt vor der Wissenschaft: Es ist absolut anmassend und unethisch, das Leben bedrohter Tierarten leichtsinnig aufs Spiel zu setzen, nur um herauszufinden, wie vor 65 Millionen Jahren die Dinosaurier vielleicht ausstarben.»
Im Antrag zur Bewilligung der in der Pressemitteilung umschriebenen Tests wird um Erlaubnis gebeten, die folgende Anzahl Meeressäuger einer Beschallung von über 160 Dezibel auszusetzen (was bereits zehnmal lauter ist als der wissenschaftlich festgelegte Grenzwert für Knochenfische):

  • Je 2 Nordatlantische Glattwale, Buckelwale, Zwergwale, Bryde-Wale, Seiwale, Finnwale und Blauwale
  • Je 10 Pottwale, Zwerg-Pottwale, Cuvier-, Sowerbys-, Gervais- & Blainville-Schnabelwale, Orcas und Risso's-Delfine
  • Je 100 Spinner-Delfine, Clymene-Delfine, Entenwale, Streifen-Delfine und Fraser's-Delfine
  • 190 Grindwale
  • 274 Rauhzahn-Delfine
  • 333 Falsche Killerwale
  • 404 Pantropische Fleckendelfine
  • 915 Atlantische Fleckendelfine
  • 8442 Grosse Tümmler

Informationsquellen:

  • Ben White (USA) freedom - at - awionline.org
  • The National Science Foundation (Besitzer der «Maurice Ewing»)
    Dr. Rita Colwell, Director, Dr. Joseph Bordogna, Deputy Director
    4201 Wilson Boulevard, Arlington, Virginia 22230, USA
    Tel 001-703-292-8000, oder 001-703-292-5111
  • National Marine Fisheries Service (für die Forschungsbewilligung verantwortliche Abteilung, in den USA), Dr. William Hogarth (Leiter), NOAA Fisheries Administrator, NOAA Fisheries, 1315 East West Highway, SSMC3, Silver Spring, MD 20910, USA. Tel. 001-301-713-2239, Mail bill.hogarth - at - noaa.gov
  • University of Cambridge, UK, Dr. Penny Barton, primary researcher.
    Mail: barton - at - esc.cam.ac.uk, Tel 0044 (0) 1223 337183
  • University of Texas, Austin, Institute for Geophysics, Dr. Sean Gulick, other primary researcher. Mail: sean - at - utig.ig.utexas.edu; Tel. 001-512-471-0483

Über ASMS OceanCare:
ASMS Ocean Care setzt sich seit 1989 für den Schutz der Meeressäuger und der Ozeane ein. Jagd, Überfischung und Zerstörung der Ökosysteme bedrohen auf vielfältige Weise die Zukunft dieser Tiere - und auch unsere. Mit konstruktiven Massnahmen wie Petitionen, Informationskampagnen, Symposien bis hin zu Aktivitäten auf der politischen Ebene im In- und Ausland hat sich ASMS OceanCare weltweit Respekt und Anerkennung verschafft. An der Internationalen Walfangkonferenz (IWC) ist sie die einzige Schweizer Lobby für die Tiere. Bei all ihren Aktivitäten strebt ASMS OceanCare eine kooperative und lösungsorientierte Zusammenarbeit an, denn was uns alle angeht, können wir nur gemeinsam lösen. (ASMS)

Dies ist eine Pressemitteilung von ASMS Ocean Care. Weitere Informationen finden Sie unter: www.oceancare.org.

   

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