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++  Donnerstag, der 15. Juli 2004  ++

 
 

Walfangtagung: Desaster für Wale droht

Artenschützer befürchten erstmals seit Jahrzehnten eine Mehrheit der Walfangländer.

Pro Wildlife e.V. Logo München, 15. Juli 2004 (prowildlife) - Auf der am kommenden Montag beginnenden Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) entscheidet bereits die erste Stunde über das Schicksal der Meeressäuger. Denn dann steht endgültig fest, welche und wie viele Länder abstimmungsberechtigt sind. Erstmals seit Jahrzehnten ist eine Mehrheit der Walfangländer zu erwarten. „Vor allem Japan rekrutiert alljährlich neue Staaten als Verstärkung für die Abstimmungen. Wenn nicht bis Montag ein kleines Wunder geschieht, hat die Walfänger-Fraktion diesmal eine knappe Mehrheit und kann somit Entscheidungen gegen den Walschutz durchsetzen“, so PRO WILDLIFE-Wale-Expertin Dr. Sandra Altherr. Für Resolutionen reicht eine einfache Mehrheit, nur für Änderungen der IWC-Statuten, z.B. für die Einrichtung von Walschutzgebieten oder die Beendigung des Walfangverbotes wird eine Dreiviertelmehrheit benötigt.

Japan hat bereits vor Jahren angekündigt, konsequent neue Länder für internationale Gremien wie die IWC zu gewinnen. „Mithilfe gezielter Entwicklungshilfe aus Tokio werden immer mehr kleine und arme Staaten zu treuen Vasallen“, berichtet Altherr. Die IWC hat derzeit 55 Mitgliedsstaaten (Stand vom 15. Juli 2004), die sich in folgende Lager aufteilen:
1. Walschutzländer (26): Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Irland, Italien, Mexiko, Monaco, Neuseeland, Niederlande, Österreich, Oman, Peru, Portugal, San Marino, Schweden, Schweiz, Spanien, Südafrika, Ungarn
2. Walfangländer (27): Antigua & Barbuda, Belize, Benin, China, Dänemark, Dominika, Elfenbeinküste, Gabun, Grenada, Guinea, Island, Japan, Korea, Marokko, Mauretanien, Mongolei, Nikaragua, Norwegen, Palau, Panama, Russland, Senegal, Solomonen, St. Kitts & Nevis, St. Lucia, St. Vincent & die Grenadi-nes, Tuvalu.
3. nicht stimmberechtigte oder teilnehmende Länder (in der Regel steht die Zahlung der hohen IWC-Mitgliedsgebühren aus): Costa Rica und Kenia. „Beide würden den Walschutz unterstützen, fehlen aber mangels Stimmrecht als Verbündete“, bedauert die PRO WILDLIFE Sprecherin.

Einige weitere Länder treffen offensichtlich derzeit Vorkehrungen, noch für die diesjährige IWC-Konferenz ihren Beitritt fristgerecht abzuschließen, hierzu zählen Griechenland, die Kapverdischen Inseln, Trinidad & Tobago, Vanuatu, Kiribati und Samoa. „Lediglich Belgien würde sich klar für den Walschutz stark machen, alle anderen wären Unterstützung für Japan & Co.“ Erst zum Tagungsbeginn am kommenden Mon-tag morgen steht die Liste der abstimmungsberechtigten Mitgliedsstaaten endgültig fest. Potenzielle Walschutzländer wie Tschechien und Polen haben aufgrund des immensen Druckes aus Tokio auf ihren IWC-Beitritt vorerst verzichtet.

„Bleiben die Stimmenverhältnisse so ungünstig, droht die kommende Walfangkonferenz zum schlimmen Wendepunkt im Schutz der Meeresriesen zu werden“, befürchtet die PRO WILDLIFE Sprecherin. Besonders dramatisch: „Auf der letztjährigen Konferenz wurde die sog. „Berlin-Initiative“ verabschiedet, die Schutzmaßnahmen für Kleinwale, Delfine und den Lebensraum Meer vorsieht. Dieses Gremium wäre durch die neuen Mehrheitsverhältnisse lahm gelegt“.

(Dies ist eine Presseinformation von Pro Wildlife e.V.)

   

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