Alle zwei Minuten stirbt ein Delfin
WWF-Studie ermittelt die am stärksten durch Beifang bedrohten Kleinwale (Zur Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission IWC vom 20.-24. Juni 2005)

Hector-Delfin (Cephalorhynchus hectori) in einem Netz gefangen (Neuseeland, Banks Peninsula)
(c) WWF-Canon Stephen Dawson
Frankfurt a. M., 09. Juni 2005 - Jedes Jahr verenden mehr als 300.000 Delfine, Tümmler und Wale ungewollt in Fischernetzen – weit mehr Tiere als den Harpunen der Walfänger zum Opfer fallen. Nach Einschätzung des WWF ist der so genannte Beifang inzwischen die größte Bedrohung für die Meeressäuger. Viele Kleinwalarten sind dadurch vom Aussterben bedroht, zu diesem Ergebnis kommt eine jetzt vorgelegte WWF Studie. Besonders betroffen sind der Kalifornische Hafenschweinswal, der Schweinswal in der Ostsee und die asiatischen Flussdelfine im Mekong, Ganges oder Yangtse Fluss. Um ihr Überleben zu sichern, müssen unverzüglich Schutzmassnahmen, wie der Einsatz von flipperfreundlichen Netzen“ oder die Ausweisung von Tabuzonen für die Fischerei vorangetrieben werden. Der WWF fordert auf der bevorstehenden Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Ulsan, Südkorea, das Beifangproblem konsequent anzugehen.
Für die Studie wurde erstmals eine Liste der am stärksten durch Beifang bedrohten Wal- und Delfinpopulationen erarbeitet. Die Studie verdeutlicht die Dimension des Problems. Die größte Gefahr für die Delfine sind Kiemennetze. Delfine und Wale müssen regelmäßig zum Atmen an die Wasseroberfläche. Verfangen sie sich in den Netzen, ist das meist ihr Todesurteil. Mehr als 800 Tiere ersticken jeden Tag qualvoll in den Netzen“, erläutert Volker Homes, Walexperte beim WWF Deutschland. Das ist ein Delfin alle zwei Minuten.“ Die Untersuchung zeigt aber, dass sich die Walbestände wieder erholen können, wenn gegengesteuert wird. Durch den Einsatz moderner Fanggeräte lasse sich der Anteil an unerwünschtem Beifang deutlich reduzieren. So wurden spezielle Netze entwickelt, die Delfine besser erkennen und denen sie ausweichen können, sowie Signalgeber an den Netzen eingesetzt, die die Delfine hören können. Von 1993 bis 2003 ist der Beifang von Delfinen dadurch in den USA auf ein Drittel des ursprünglichen Wertes zurückgegangen.
Der WWF sieht insbesondere die Internationale Walfangkommission (IWC) zum Schutz der Kleinwale in der Pflicht. Die IWC ist das einzige weltweit tätige Gremium zum Schutz und Management von Walen und Delfinen. Obwohl viele der Delfine stärker gefährdet sind als Großwalarten, spielen sie bei der IWC nur eine untergeordnete Rolle. Gerade durch den Beifang sind viele Arten an den Rand des Aussterbens gebracht worden“, sagt Homes. Der WWF fordert von den Teilnehmern der Konferenz, klare Beschlüsse zur Reduktion des Beifangs. So sollen Fischereigeräte verbessert, Gesetze geändert und Fischer besser geschult werden.
Lesen Sie zum Thema auch:
- Die Beifang-Studie
Global Priorities for Reduction of Cetacean Bycatch
von Randall R. Reeves et al (29 Seiten, PDF) - WWF Hintergrund: Meeresfischerei und Wale (PDF)
- Die WWF Position zur 57. Jahreskonferenz der Internationalen Walfangkommission (IWC) vom 20. bis 24. Juni 2005 im südkoreanischen Ulsan
Dies ist eine Pressemitteilung des WWF
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