Die spinnen die Briten
oder Grauwale nach England fliegen
Zwei Wissenschaftler der University of Central Lancashire haben vorgeschlagen 50 Grauwale aus US amerikanischen Gewässern in die irische See umzusiedeln. Walschützer warnen.
Kommentar
Wittmund, 19. Juli 2005 - Gestern hat eine Meldung den deutschen Sprachraum betreten, die einem schlicht dieselbe verschlägt. Zwei britische Wissenschaftler, Dr. Andrew Ramsey und Dr Owen Nevin von der University of Central Lancashire, haben vorgeschlagen, 50 Grauwale von der nordamerikanischen Westküste in die irische See zu fliegen. Ziel der Aktion soll sein, ein attraktives Whale Watching zu eröffnen und damit der darbenden Küstengesellschaft neue Einkommensmöglichkeiten zu eröffnen.
Diese Meldung mutet wie ein Aprilscherz an, es ist aber mittlerweile in Cetologenkreisen bekannt geworden, dass die beiden Ökologen diese Idee durchaus ernst meinen und heute beim 19. Treffen der "Society for Conservation Biology" in Brasilien vorstellen wollen.
Was ist nun dran an so einer Meldung? Es gab einst Grauwale im Atlantik. Vor etwa 400 Jahren sind diese allerdings ausgestorben, denn sie waren begehrte Beute der europäischen Walfänger. Auch ein Transport von Walen in Grauwalgröße ist nicht mehr undenkbar. Erfahrungen mit Schwertwaltransporten per Flugzeug liegen vor. Und dann ist die nordwestamerikanische Grauwalpopulation tatsächlich in recht gutem Zustand. Anfang des 20. Jahrhunderts hat der Bestand etwa 2000 Tiere betragen, mittlerweile schätzt man die Population auf etwa 26.000 Tiere.
Das wesentliche scheinen die beiden Ökologen aber scheinbar nicht bedacht zu haben. Wie sollen sich Grauwale, die zur Orientierung eine Karte der nordwestamerikanischen Küstenlinie in sich tragen
, im Atlantik zurechtfinden? Es ist nicht bekannt, wieweit die Orientierung auf den über 10.000 km langen Wanderwegen der Grauwale auf genetischen oder erlernten Komponenten beruht. Eine matrilineare Weitergabe der Wanderrouten wird vermutet ist aber noch nicht gesichert. Angesichts dieses fehlenden Wissens wäre die Umsiedlung der Grauwale nichts anderes als ein exorbitant teurer und unsinniger Tierversuch.
Die ersten Stimmen der Walschützorganisationen haben auch schon deutlich gemacht, wie sehr sich die beiden Wissenschaftler anstrengen müssen, Ihr Projekt zu legitimieren. Eine 90 %ige Zustimmung zu diesem Projekt bei der Bevölkerung im Lake District sind wahrlich kein ausreichender Grund, die Tickets für die Fracht-Flieger zu kaufen.
Quellen zu diesem Kommentar:
17.07.2005 - ALL THE WAY FROM AMERICA: FLYING WHALES FROM CALIFORNIA TO CUMBRIA... - Pressemitteilung University of Central Lancashire (MS Word .doc Datei)
19.07.2005 - Grauwale könnten per Flugzeug in europäische Gewässer zurück kehren - Der Standard
19.07.2005 - US-Wale sollen nach Großbritannien geflogen werden. Wiedereinsetzungsplan für Grauwale stimmt Briten euphorisch. Von Wolfgang Weitlaner, pte
19.07.2005 - Briten wollen Wale aus Übersee einfliegen - Netzeitung
19.07.2005 - Aprilscherz mit Walen? - WDCS
COSEWIC (2004):
COSEWIC assessment and update status report on the grey whale (Eastern North Pacific population) Eschrichtius robustus in Canada.
Committee on the Status of Endangered Wildlife in Canada, Ottawa. (PDF, 948 KB, vii+31 pp., )
Uderzo, A. und R. Goscinny (1971):
Asterix bei den Briten Band 8
Ehapa Verlag, Stuttgart
Grauwale in die irische See? Flussdelfine in die Elbe?
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© 1996-2005 Cetacea.de | J. Herrmann - http://www.cetacea.de - Dienstag, 19. Juli 2005
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