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Nachrichten über Wale und Delfine
Hungrige Seehunde, scheue Enten und viele Schweinswale
MINOS+ Bestandsschätzungen für Schweinswale und Seehunde veröffentlicht
Tönning, 27. September 2006 - Rund 50.000 Schweinswale halten sich im Sommer in der deutschen Nordsee auf. Schwerpunkt des Vorkommens ist das Seegebiet westlich Nordfrieslands, wo bei Zählungen von Flugzeugen besonders viele der kleinen Wale in Meeresgebieten mit 10–30 Metern Wassertiefe festgestellt wurden. Für die deutsche Ostsee wird ein Maximalbestand von 2.700 Tieren angenommen. Diese bisher genaueste Schätzung des Schweinswalbestandes in Deutschland ist ein Ergebnis des Forschungsprojektes MINOS+, das die Effekte von Offshore Windkraftanlagen auf Schweinswale, Robben und Seevögel untersucht. Im Meeresmuseum Stralsund diskutierten Meereswissenschaftler hierzu ihre neuesten Ergebnisse.
Für die Abschätzung des Schweinswalbestandes flogen Anita Gilles und ihre Kolleginnen und Kollegen vom Büsumer Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ) mit einem Spezialflugzeug 37.000 Kilometer über die Nordsee. Im Frühjahr und Herbst ermittelten sie 10-20.000 Schweinswale. In der gesamten Nordsee leben etwa 340.000 Schweinswale, so Philip Hammond von der schottischen St. Andrews Universität, der die aus einem anderen Projekt stammenden Schätzungen für die Jahre 1994 und 2005 präsentierte.
Auf der ständigen Suche nach Nahrung legen Schweinswale – ebenso wie Seehunde – weite Strecken zurück. Da Flugzeugzählungen nur Momentaufnahmen liefern, wurden sie durch 50 Unterwassermikrofone ergänzt, die permanent Unterwassergeräusche aufzeichnen. Weil Schweinswale ständig Orientierungslaute abgeben, kann ermittelt werden, wie regelmäßig Schweinswale bestimmte Meeresbereiche nutzen.
Weit detailliertere Kenntnisse konnten die Wissenschaftler aus dem Leben der Seehunde gewinnen: 68 im nordfriesischen Wattenmeer, auf Helgoland und Römö gefangene Tiere wurden mit elektronischen Fahrtenschreibern bestückt. Nach mehreren Wochen lösen sie sich automatisch vom Fell des Seehundes, signalisieren über Satellit ihren Standort und werden dann geborgen und von den Forschern ausgewertet. Das klappt immerhin in zwei Drittel der Fälle und brachte unerwartete Ergebnisse: Wenn die Tiere nicht mit der Aufzucht ihrer Jungen beschäftigt sind, unternehmen sie mehrtägige Fresstouren in die offene Nordsee. Ein Tier kam erst nach 17 Tagen auf seine Sandbank im Watt zurück. Für die Seehunde ist der Nationalpark offensichtlich eine Oase der Ruhe, genug Nahrung bietet er ihnen aber anscheinend nicht.
Bei Meeresvögeln kann der Fall anders liegen. FTZ-Forscher Philipp Schwemmer beobachtete Trauer-, Eider-, Eis- und Samtenten, die außerhalb der Sichtweite der Küste zu Zehntausenden in nahrungsreichen Meeresgebieten der Ost- und Nordsee vorkommen. Ihre Hauptnahrung sind Muscheln, die sie dort aus 10-20 Meter tiefem Wasser ertauchen und herunterschlucken. In vielen Fällen flüchten die scheuen Enten schon, wenn sich ihnen Schiffe auf 1.000-2.000 Metern nähern.
Im Bereich des Verkehrstrennungsgebietes vor den Ostfriesischen Inseln zeigte sich, dass der ständige Schiffsverkehr die Nutzung bestimmter Meeresgebiete durch Seevögel blockieren kann. Auf zwei ausgewiesenen Routen fahren Schiffe dort wie auf Autobahnen. Seetaucher gibt es dort kaum, sie konzentrieren sich aber in dem fünf Kilometer breiten Verkehrstrennungsgebiet, das zwischen den beiden Schifffahrtsrouten liegt.
Die Erkenntnisse aus MINOS+ (Marine Warmblüter in Nord- und Ostsee) helfen, die ökologischen Effekte von Offshore Windkraftanlagen besser einzuschätzen. Das vom Nationalparkamt in Tönning koordinierte Forschungsprojekt ist das größte seiner Art. Es schloss sich 2004 an das zweijährige Vorgängerprojekt MINOS an und besteht aus sieben Teilprojekten. Im Jahr 2007 wird MINOS+ abgeschlossen.
Dies ist eine Pressemitteilung des Landesamtes für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, Tönning.
Weitere Informationen:
www.wattenmeer-nationalpark.de
MINOS
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