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Nürnberg: Lagune wird gebaut

Der Kulturausschuss der Stadt Nürnberg stimmt für den Ausbau des Delfinariums. Tierschützer kritisieren das Vorhaben und erwägen ein Klage.

Nürnberg, 26. Oktober 2007 (Cetacea.de) -


Delphinarium Nürnberg

Im Delphinarium Nürnberg, © Boris Ott

Heute haben die Vertreter von SPD und CSU des Kulturausschusses der Stadt Nürnberg für den Ausbau des Nürnberger Delfinariums gestimmt. Dabei haben sie sich von den nicht abreissen wollenden, lauten Protesten der Tierschützer nicht irritieren lassen. Mit der Empfehlung des Kulturausschusses ist die Entscheidung des Nürnberger Stadtrates vorherzusehen. Im November steht dort der Bau des 24 Millionen-Projektes auf der Agenda.

Seit 1998 plant der Tiergarten Nürnberg die Lagune 2000, einen Ausbau des Delphinariums, der aus Sicht der Betreiber den Tieren und Besuchern zugute kommen soll. Ausserdem ist die Durchführung einer Delphintherapie geplant. Weil die finanziellen Mittel fehlten, zog sich die Weiterführung des Projektes hin und die Baupläne wurden im Laufe der Zeit überprüft und modernisiert. Das zur Zeit aktuelle Modell von Tiergarten-Direktor Dag Encke hat mit dem ursprünglichen Vorschlag nicht mehr viel zu tun.

Das Nürnberger Delphinarium ist in diesem Jahr verstärkt in die Kritik geraten, nachdem im Sommer zwei Kälber kurz nach der Geburt gestorben waren. Seit 2004 sind dort sieben Delphinkälber innerhalb der ersten zehn Tage verendet. Der Delphinexperte im Tiergarten, Dr. Lorenzo von Fersen, hatte daraufhin angekündigt, dass das Jungtiersterben in einer Studie untersucht werden soll.

Kritiker, wie die parlamentarische Geschäftsführerin und natur- und tierschutzpolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Undine Kurth, halten das Projekt für nicht zukunftsfähig, da Delphine in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden können. Das in die Lagune investierte Geld hätte, so Kurth, besser an anderer stelle im Tiergarten ausgegeben werden sollen.


Delphintherapie
Den Ausbau der Delphinanlage in Nürnberg mit der Schaffung von Räumlichkeiten für eine Delphintherapie zu begründen, sei nur ein “Feigenblatt”, um der Delphinhaltung ein positiveres Image zu verleihen. So der Deutsche Tierschutzbund und der Bundesverband Menschen für Tierrechte. Die Delphintherapie sei keine sozialrechtlich anerkannte Therapie. Zudem gebe es bis heute keinen wissenschaftlich belastbaren Beweis dafür, dass eine Delphintherapie effizienter wäre als andere tiergestützte Therapien, z.B. mit Pferden oder Hunden.

Die von Dr. Erwin Breitenbach von der Universität Würzburg im Delphinarium Nürnberg durchgeführte Studie zur Wirksamkeit der Delphintherapie, die als Nachweis für den Erfolg von Delphintherapien zitiert wird, wird auch von der Whale and Dolphin Conservation Society WDCS kritisiert. Danach sei die eigentlich zu untersuchende Frage, ob die Teilnahme an der Delphintherapie zu einer Verbesserung führt mit der Aussage, dass die Kinder in der Wahrnehmung der Eltern von der Teilnahme an der Delphintherapie profitierten nicht beantwortet worden.

Überhaupt sorgt der kopflose Boom der Delphintherapie die Tierschützer. Diese Woche wurden bei einer Dolphin Aid Gala in Düsseldorf 300.000 Euro für die Delphintherapie gesammelt. Die WDCS hat am gleichen Tag eine internationale Kampagne gegen die Ausweitung dieser umstrittenen Therapie gestartet. Das Dokument Can you put your faith in Dolphin Assisted Therapy? versammelt die Argumente. Eine deutsche Übersetzung soll in Kürze bei der WDCS Deutschland erhältlich sein.

Das WDSF setzt mit seiner Kritik an den Haltungsbedingungen und den EU Vorschriften nach Richtlinie 1999/22/EG des Rates vom 29. März 1999 über die Haltung von Wildtieren in Zoos an. Das WDSF hält die Betreiberpflicht nach Artikel 3 der Richtlinie (u.a. artgerechte Ausgestaltung der Gehege) für nicht erfüllt und erwägt eine Klage gegen das Projekt.

Unter Verwendung von Pressemitteilungen von Undine Kurth, Deutscher Tierschutzbund, Bundesverband Menschen für Tierrechte und WDSF. Herzlichen Dank an Boris Ott für die Verwendung des Bildes

Literatur zum Thema:

BRAKES, P. und C. WILLIAMSON (2007):
Dolphin Assisted Therapy - Can you put your faith in DT?
Whale and Dolphin Conservation Society, Chippenham, Wiltshire.

BRENSING, K. (2006):
Kritische Betrachtung zum Abschlussbericht des Forschungsprojekts Delfintherapie der Uni Würzburg und des Nürnberger Delfinariums.
WDCS, München.

RAT DER EUROPÄISCHEN UNION (1999):
RICHTLINIE 1999/22/EG DES RATES vom 29. März 1999 über die Haltung von Wildtieren in Zoos.
http://eur-lex.europa.eu

Links zum Thema
DelphinLagune im Tiergarten Nürnberg

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