Archiv der Kategorie ‘Lebensraum Meer‘

Bericht vom Ostfriesischen Meeressäugertag

Wittmund, 21. Juni 2009 (cetacea.de)

Mit der Volkshochschule zu den Walen und Robben Ostfrieslands

Es ist nicht unbedingt so, dass sich einem der Gedanke an „Whale Watching“ aufdrängt, wenn man an Orte wie Neuharlingersiel oder Spiekeroog denkt. Schon eher sieht man die Seehunde auf den Sandbänken der eigenen Phantasie liegen. Diese haben es zwar als Logo auf zahlreiche touristische Publikationen geschafft, aber das Wissen um diese faszinierenden Meeressäuger scheint auf dem Weg ins Landesinnere schon nach wenigen hundert Metern rasant abzunehmen.

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Klima: Gute Nahrungsplätze für Wale bald Mangelware

Salt Lake City/Wien, 9. Februar 2009 (pte)

Klimaänderungen bringen Meeressäuger in arge Bedrängnis

 

Ein Südkaper Mutter-Kalb-Paar in flachen Gewässern vor der argentinischen Peninsula Valdes. © John Atkinson

Ein Südkaper Mutter-Kalb-Paar in flachen Gewässern vor der argentinischen Peninsula Valdes. © John Atkinson

(pte/09.02.2009/13:25) – Ein Forscherteam der University of Utah hat festgestellt, dass junge Südliche Glattwale von ihren Müttern lernen, wo es die besten Nahrungsquellen gibt. Nun fürchten die Wissenschaftler, dass Veränderungen der Meeresströmungen die Tiere stark in Bedrängnis bringen könnten. Denn die Regionen, in denen der Krill – die Hauptnahrung der Wale – einst in großen Mengen vorgekommen ist, werden immer kleiner. (weiterlesen…)

Vom Jahr des Delphins zum Jahr der Gorillas

Wittmund, 17. Januar 2009 (cetacea.de)

Mit Ende des Jahres 2008 hat auch die UN Kampagne “Jahr des Delphins” ein Ende gefunden. Eigentlich war nur das Jahr 2007 für die Delphine vorgesehen. Dann wurde für 2008 das Jahr des Delphins verlängert. Nun übernimmt mit den Gorillas eine ebenso bedrohte Tiergruppe den Fokus der UN Aktion. Regenwaldzerstörung, Bürgerkrieg oder Erzabbau gefährden die sanften Riesen.

Es war kein guter Start für das UN Jahr des Delfins als nach einer aufwändigen Sichtungsfahrt auf dem Yangtze der Chinesische Flußdelphin Baiji als funktionell ausgestorben erklärt werden musste (Cetacea.de berichtete). (weiterlesen…)

WWF warnt: Ostsee in schlechtem Zustand

Stralsund, 28. August 2008 (pte)

Eingeleitete Nährstoffe sorgen für starkes Algenblühen

Die Maßnahmen zum Schutz der gefährdeten Ostsee sind in allen neun Anrainer-Staaten “mangelhaft”. Zu diesem Ergebnis kommt ein heute beim Stockholmer Ostsee-Festival veröffentlichter Ländervergleich des WWF. Darin untersucht der WWF die Fortschritte, die die Staaten im Kampf gegen die Zerstörung von Lebensräumen, die Überfischung, die Einleitung von Umweltgiften, die Folgen der Schifffahrt sowie bei der Einführung von Schutzgebieten erreicht haben. “Die Politik hat bislang in weiten Teilen versagt. Die Regierungen gleichen Ärzten, die dem todkranken Patienten Ostsee trotz eindeutiger Diagnose die rettende Medizin verweigern”, kritisiert Jochen Lamp, Leiter des WWF-Ostseebüros in Stralsund, im pressetext-Gespräch.

Das zweite Ostsee-Länderranking des WWF untersucht die bislang umgesetzten Maßnahmen zum Meeresschutz in Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen, Schweden und Russland. Bei einem ersten Vergleich, der im Sommer 2007 veröffentlicht wurde, hatte die Umweltstiftung den gesetzlichen Rahmen für den Ostseeschutz in den Ländern unter die Lupe genommen.

Das beste Ergebnis des neuen Staatenvergleichs erzielte Deutschland, das knapp die Hälfte der vom WWF geforderten Schutzmaßnahmen verwirklicht hat. Am Ende der Rangliste liegt Polen mit einer Umsetzungsquote von nur 25 Prozent. “Das Ergebnis ist sehr ernüchternd, weil kein Land die Ostsee umfassend schützt. Wir brauchen Bundesliga-Format, um dieses einzigartige Meer zu retten. Dass Deutschland jetzt Tabellenführer auf Kreisliganiveau ist, kann kein Ruhekissen sein”, so Lamp. Handlungsbedarf bestehe vor allem in der Fischereipolitik, beim Kampf gegen Umweltgifte und bei der Regulierung der Schifffahrt.

Die Arten- und Lebensraumvielfalt der Ostsee stehe auf dem Spiel, warnt der WWF. Jedes Jahr werden über eine Mio. Tonnen Nährstoffe eingeleitet, die wie in diesem Jahr unnatürlich starke Algenblüten verursachen. Eine dramatische Folge: Schon auf 42.000 Quadratkilometern des Meeresbodens, einer Fläche von nahezu der Größe Dänemarks, herrscht dauerhaft Sauerstoffmangel. Ähnliche Prozesse lassen sich derzeit auch im Golf von Mexiko beobachten. Dort droht eine Fläche der Größe von Hessen zum sauerstoffarmen Gebiet zu verkommen (pressetext berichtete). “Durch das intensive Düngen in den Spätfrühlingsmonaten gelangen alljährlich große Mengen von Düngemittel in die Meere”, erläutert Bernd Maierreimann vom Max-Planck-Institut Hamburg auf pressetext-Nachfrage.

Zahlreiche Meerestiere wie zum Beispiel der Schweinswal in der südlichen Ostsee sind gefährdet. Die Kapazität der Fangflotten liegt um 30 bis 40 Prozent über dem Niveau einer nachhaltigen Fischerei. Gesetzliche Regelungen greifen nicht, so wird etwa jeder zweite Dorsch illegal gefangen. Durch Schiffs-Ballastwasser wurden bereits mehr als 100 fremde Arten in die Ostsee eingeschleppt, die eine erhebliche Gefahr für heimische Arten und Lebensräume darstellen. “Seit geraumer Zeit gibt es bereits eine Ballastwasser-Konvention, doch ist diese in den meisten Anrainerstaaten noch immer nicht ratifiziert, unter anderem auch nicht von Deutschland”, erläutert Lamp.

Die Belastung mit Umweltgiften wie Dioxin oder Polychlorierten Biphenylen (PCBs), die in Heringen oder Lachsen gemessen wird, liegt in einigen Regionen noch immer über den EU-Grenzwerten. Der Meeresexperte fügt aber hinzu, dass die Konzentration in den meisten Gebieten aber noch so niedrig sei, dass für den Menschen keine Gefahr bestehe. “Nur im Bottischen Meerbusen, zwischen Schweden und Finnland, ist die Belastung mittlerweile so hoch, dass dort gefangener Fisch nicht mehr in die EU importiert werden darf”, sagt Lamp.

Trotz dieser alarmierenden Befunde sieht der WWF auch positive Entwicklungen. Deutschland hat bereits 40 Prozent seiner nationalen Gewässer unter Schutz gestellt. Litauen und Lettland gehen mit verschärften Kontrollen erfolgreich gegen kriminelle Fischer vor. Estland hat die Einleitung giftiger Substanzen in die Ostsee sogar erheblich gesenkt.

Dies ist eine Presseaussendung von pressetext.de / Erik Staschöfsky.

Baiji – Beim Aussterben zuschauen

Berlin, 5. Dezember 2006 (taz)

China bezahlt sein rasantes Wirtschaftswachstum mit dem Aussterben von Arten. Suche nach dem weißen Delfin im verschmutzten Jangtse-Fluss blieb ohne Erfolg.

Baiji QiQi, © Frank Bretz

QiQi, ein Baiji der nach Jahren in Gefangenschaft im Jahr 2002 gestorben ist. Bild: Frank Bretz

Nach 1.750 Kilometern Sichtungsfahrt auf dem Jangtse kann keiner der 30 beteiligten Experten seinen Frust verhehlen. Trotz intensiver Vorbereitung und großem technischem Aufwand sichteten die Spezialisten keinen der knapp über zwei Meter langen Flussdelfine. Die als Baiji bekannten weißen Delfine zählen zu den seltensten Säugetieren der Welt und waren nur im Jangtse zu finden.

In 26 Tagen sind zwei Forschungsschiffe von Wuhan bis nach Schanghai gefahren. Dabei haben knapp ein Dutzend Beobachter die Wasseroberfläche abgesucht. Mit Hydrophonen wurden die Flussgeräusche eingefangen. Immer in der Hoffnung, dass der akustische Filter Alarm schlägt, wenn in dem Lärm von Bootsmotoren und Industrieanlagen das spezielle Pfeifen eines Chinesischen Flussdelfins wahrnehmbar ist. Der Flussdelfin-Experte Wang Ding vom Institut für Hydrobiologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften setzt nun alle Hoffnungen in den zweiten Teil der Sichtungsfahrt: Wir hatten einige Tage mit sehr schlechtem Wetter, aber nun werden wir unsere Bemühungen verdoppeln, so Wang. An der technischen Raffinesse und Ausrüstung scheitert diese Fahrt jedenfalls nicht.

Anführer der Unternehmung ist der Schweizer August Pfluger. Ihm fiel es schwer, zu verstehen, dass sich weder eine der großen Naturschutzorganisation noch China selbst beherzt für eine Zukunft des Baijis eingesetzt hat. So hat er 2004 die Stiftung baiji.org gegründet und Sponsoren für dieses Projekt gewonnen.

Der Baiji ist ein Opfer der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung in China. Erst 1917 ist er nach seiner wissenschaftlichen Beschreibung der westlichen Welt bekannt geworden. Mitte der 1950er-Jahre, so schätzt der Baiji-Experte Zhou Kaya von der Nanjing Normal University, gab es noch etwa 5.000 Baijis. Mit zunehmender Flussfischerei starben immer mehr Baijis als Beifang. 1989 wurden nur noch 300 Tiere gezählt, und seitdem haben sich die Bedingungen stetig verschlechtert. Der zunehmende Lärm in einer der wirtschaftlich bedeutendsten Wasserstraßen der Welt setzt einem Tier zu, dass sich im trüben Fluss nur akustisch orientieren kann.

Stromveränderungen durch Dammbau und Eindeichungen vertrieben die Fische, von denen sich die Baijis ernährten. Im Jahre 2001 wurden nach Zhou 15 Milliarden Kubikmeter Abwasser, davon 80 Prozent ungeklärt, in den Jangtse geleitet. Im Jangtse hätte der Baiji keine Zukunft gehabt.

taz
Dieser Text erschien am 5.12.2006 in der taz, S. 8, 83 Z., Autor: JAN HERRMANN.

Weitere Meldungen von Cetacea.de:

Letzte Chance für Chinas Flussdelfine

London, 29. Juni 2006 (pte)

Zoologen entwickeln Plan für meist gefährdetes Säugetier der Welt

Baiji Qi Qi, © Frank Bretz

Baiji QiQi, © Frank Bretz

Nur noch 17 lebende Flussdelfine soll es im Jangtse geben, berichten Umweltforscher. Nun haben britische Wissenschaftler des Institute of Zoology in London von der Zoological Society of London (ZSL) einen Plan entwickelt, um das meist gefährdete Säugetier der Welt zu retten: In einem nahe des Flusses gelegenen See soll der Delfin überleben können. Dort soll auch genügend Nahrung für die Tiere vorhanden sein.

Die Ursachen für den starken Rückgang der Flussdelfine Baiji (Lipotes vexillifer) sind Umweltverschmutzung, Kollisionen mit Booten und Schiffen sowie die Überfischung ihrer Nahrungsreserven. Zudem gehen die Delfine immer wieder als Beifang in die Fischernetze und verenden dann qualvoll. Von der internationalen Naturschutzunion IUCN wurde der Baiji in den so genannten Roten Listen alsvom Aussterben bedroht eingestuft. Insgesamt beträgt die Zahl der heute lebenden Baiji nur noch ein Tausendstel der vor industriellen Zeit.

Im Vorjahr hatten sich Zoologen in San Diego getroffen, um Notfallspläne für den bedrohten Flußdelfin zu starten. Der Plan wurde nun vom britischen Forscher Samual Turvey der Öffentlichkeit präsentiert. Seit längerer Zeit gab es den Vorschlag, die Delfin-Population nur in einem überwachten abgeschlossenen Territorium zu züchten. Das ist die einzige Möglichkeit, dass diese Tierart überleben kann , so der Forscher. Der 21 Kilometer lange Tian-e-Zhou-See, der bis 1970 zum Jangtse gehörte, soll zum neuen Lebensraum des Delfins werden. Der See biete ideale Voraussetzungen, da dort bereits ein anderer Süßwasser-Säuger, nämlich der zu den Schweinwalen gehörende Neophocaena phoconoides lebt.Es gibt zwar am See einige Fischer, aber bei weitem nicht in jener Zahl wie am Fluss selbst , meint der Forscher. Ein weiteres Problem neben der Überfischung des Jangtse selbst, ist die Veränderung des natürlichen Flusslaufes durch Dämme. Der Drei-Schluchten-Damm ist nur noch ein weiterer Sargnagel. Die Population der Delfine war schon Jahrzehnte zuvor permanent fallend, so der Experte.

Innerhalb der kommenden drei Jahre sollen fünf der letzten verbliebenen Baiji aus dem Jangtse gefangen und mit Hubschraubern zum See gebracht werden. Derzeit suchen die Forscher noch nach Sponsoren für das Projekt, das zwischen 360.000 und 550.000 Dollar kosten wird.

Trotz des internationalen Walfang-Moratoriums gibt es weiterhin mehrere höchst gefährdete Arten mit weniger als 500 Tieren. Dazu zählen zum Beispiel der Atlantische Nordkaper, der Westpazifische Grauwal, der Chinesische und der Südasiatische Flussdelfin, sowie der Kalifornische Hafenschweinswal Vaquita. Beim 58. Jahrestreffen des IWC wurde kritisiert, dass effiziente Schutzmaßnahmen dagegen kaum unternommen werden. 300.000 Wale und Delfine werden jährlich durch Beifang und Schiffskollisionen getötet, so Nouak.

Dies ist eine Presseaussendung von pressetext.de / Wolfgang Weitlaner. Leicht adaptiert von Jan Herrmann.

Bei Cetacea.de finden Sie folgende Berichte zum Baiji:

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