Walkopf in der Kohlenwäsche
Der Patriocetus in Essen und seine Geschichte
von Johannes Albers (letzte Änderung: 08.05.2010 ) - Kapitel 3
Palaeocetologie
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Karlheinz Rothausen und Albert Sanders meinen, dass der Patriocetus von Uerdingen einer anderen (noch unbenannten) Art angehört als die Schädel aus Linz (Patriocetus ehrlichii). Er ist sogar älter als das Typusexemplar aus Linz. Das zeigten Untersuchungen der 80er Jahre an kleinen Weichtieren und Mikrofossilien, die sich im anhaftenden Sediment gefunden hatten. In der Essener Ausstellung wurde 1995 der älteste Abguss ausgetauscht gegen eine Kopie des zweiten Abgusses (mit falsch eingesetztem Zahn), die farblich anzeigt, wo noch Sediment am Schädel gehaftet hatte. Der Originalabguss dazu befindet sich in Berlin. Die Kopie wurde schließlich in einer Außenstelle des Ruhrlandmuseums gezeigt (Mineralienmuseum Kupferdreh) und ab 2001 gar nicht mehr ausgestellt. So war 2001 bis Anfang 2010 nichts mehr öffentlich in einem Museum zu sehen, was auf den Wal von Uerdingen zurückging.
Andernorts hingegen stieg die Aufmerksamkeit auf die Gattung Patriocetus: Eine dritte Art, in den 60er Jahren in Kasachstan gefunden, erhielt 2000 den Namen Patriocetus kazakhstanicus. Bemerkenswert ist, dass der Uerdinger Wal im Unterschied zu den Tieren aus Linz und Kasachstan nicht aus dem Bereich der sogenannten Paratethys stammt, einem nördlichen Nebenmeer der Tethys (Ur-Mittelmeer), das sich im Oligozän von Asien nach Europa erstreckte. Doch gab es im Oligozän zeitweise eine Meeresverbindung von der Nordsee über den Rheingraben bis in die Tethysregion.
Zeitgleich mit Patriocetus im oberen Oligozän lebten bereits andere Zahnwale, die weiter entwickelt waren. Zumeist geht man davon aus, dass der urige Patriocetus nicht die Zeitgrenze vom Oligozän zum Miozän (und damit vom Paläogen zum Neogen) überschreiten konnte. Neues Licht auf diese Frage werfen in jüngster Zeit Japaner, die Patriocetus-Material auch aus dem unteren Miozän Japans erkennen wollen. So sind die Forschungen und Diskussionen um diese Gattung noch lange nicht beendet, und um so begrüßenswerter ist die neue Ausstellung des Schädels von Uerdingen in Essen.
FACHLITERATUR ZUM VERTIEFEN
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OTHENIO ABEL (1914): Die Herkunft der Bartenwale. - Verhandlungen der kaiserlich-königlichen zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien. Bd. 64: 4-10.
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