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Deutschland holt alte Ägypter:
Protocetus, Eocetus und Co.

Deutsche Wal-Paläontologie in Ägypten
zu Beginn des 20. Jahrhunderts

von Johannes Albers (letzte Änderung: 02.02.2008 ) - Kapitel 3

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Palaeocetologie
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Eocetus schweinfurthi

Zugleich mit Protocetus atavus beschrieb Eberhard Fraas einen anderen Wal, der aus etwas höheren Schichten des Mokattam stammte und heute ebenfalls in Stuttgart im Magazin liegt. Von ihm ist der Schädel erhalten, der mit über 90 Zentimetern Länge deutlich größer ist als der von Protocetus atavus. Diesen Wal nannte Fraas 1904 Mesocetus Schweinfurthi, nach dem Afrikaforscher Georg Schweinfurth. Mesocetus heißt "Mittelwal". Aber dieser Gattungsname war bereits 1880 durch van Beneden an einen fossilen Bartenwal vergeben worden. Deshalb sah Fraas sich genötigt, seinen Urwal umzubenennen: Noch im Jahre 1904 belegte er ihn mit dem neuen Gattungsnamen Eocetus, nach dem Erdzeitalter des Eozän, in dem der Wal vor vielleicht 43 oder 44 Millionen Jahren lebte.

Zu Eocetus schweinfurthi stellte Fraas 1904 zwei Lendenwirbel, die Richard Markgraf 1902 am Mokattam geborgen hatte und die heute auch im Stuttgarter Magazin liegen. Diese Wirbel hatte Ernst Stromer 1903 zur Gattung "Zeuglodon" (heute: Basilosaurus) gerechnet. In dieser Zuordnung bekam er 94 Jahre später Recht, als der Amerikaner Mark D. Uhen die Stücke 1998 der Art Basilosaurus drazindai zuschrieb. Diese Art war erst 1997 aus Pakistan beschrieben worden.

Zwei andere Lendenwirbel ordnete Stromer 1904 dem "Mesocetus", also Eocetus schweinfurthi zu. Damit ist auch Uhen einverstanden. Diese beiden Stücke kamen in den Besitz des Naturmuseums Senckenberg in Frankfurt am Main, galten dort aber schließlich als verschollen. Uhen fand sie im Magazin des Stuttgarter Museums wieder. Dort waren sie anscheinend nach einer Ausleihe irgendwann einfach liegen geblieben.

Lange Zeit hindurch war Eocetus in der Forschung fast vergessen. Doch 1999 beschrieb Uhen eine zweite Art dieser Gattung: Eocetus wardii aus North Carolina in den USA. Auch die Gattung Protocetus glaubt man in Amerika wiedergefunden zu haben. Angesichts der Verbreitung so früher Wale auf beiden Seiten des Atlantiks ist zu bedenken, dass sich die geographischen und ozeanographischen Verhältnisse des Atlantikraums seit dem Eozän verändert haben. 2008 melden Mark D. Uhen und Hans-Jürgen Berndt einen Eocetus-Wirbel aus Rohrdorf in Bayern, womit erstmals die Protocetidae auch in Europa belegt sind.

-> Teil 4/4



Schädel des Eocetus schweinfurthi

Der Schädel des Eocetus schweinfurthi im Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart. Das empfindliche Stück liegt auf dem Rücken und wird abgepolstert. Es ist nicht öffentlich ausgestellt.
Bild: Johannes Albers