Petition für Stint und Schweinswale in der Elbe

von Holger Vogt | | Hamburg | 16. April 2019

Schweinswale ziehen im Frühjahr weit in die großen Flüsse hinein. Sie folgen den Stinten, die ihre Laichgebiete aufsuchen. In diesem Jahr wurde ein drastischer Rückgang des Stint-Vorkommens in der Elbe festgestellt. Als Verursacher sind die Unterhaltsmaßnahmen in der Elbe-Fahrrinne, also die in erheblichem Umfang erfolgenden Baggerungen und Verklappungen, im Verdacht. Durch den drastischen Rückgang der Stint-Bestände sind weitreichende und Besorgnis erregende Veränderungen im Ökosystem von Tideelbe, Elbästuar und dem angrenzendem UNESCO-Welterbegebiet Wattenmeer zu befürchten.

Wir wollen im Ästuar der Elbe keinen Zustand wie in der Ems. Das Emsästuar galt bis Ende der 90iger Jahre als die fischreichste Flussmündung in Deutschland. Sauerstofflöcher und hohe Schlickbelastungen durch ständiges Ausbaggern haben hier die ökologische Lebenswelt im Wasserbereich weitgehend zerstört.

Im Frühjahr 2019 soll der 2-jährige Ausbau der Elbe-Fahrrinne beginnen. Es handelt sich um den wohl historisch größten Eingriff in das Ökosystem der Elbe. Rund 40 Mio. m3 Sediment sollen aus dem Flussbett gehoben werden, dreimal mehr als bei der letzten Vertiefung 1999. Dabei hat die Elbe die letzte Vertiefung noch nicht verkraftet. Denn auf den Fahrrinnenausbau folgte eine noch weiter zunehmende Unterhaltungsbaggerei. Große Bagger saugen tagtäglich den Grund des Flusses ab – und mit ihm Jungfische, Krebstiere, Würmer, Schnecken und Muscheln. Auch die Hamburger Hafenbecken müssen täglich vom Schlick befreit werden, nur dass sich hier kaum noch Leben im Boden befindet, dafür gefährliche Schadstoffe. Aufgrund von wiederkehrendem Fischsterben darf in den Sommermonaten in der Unterelbe bei Hamburg kein Baggerschlick mehr umgelagert werden. Eine Landentsorgung, so wie sie noch vor der letzten Elbvertiefung für Hamburger Hafenschlick üblich war, ist bei den gigantischen Mengen nicht mehr möglich. Deshalb haben sich Bund und Küstenländer dazu entschlossen, das Umweltproblem von der Unterelbe in die Außenelbe (Cuxhaven/Neuwerk) und in die Nordsee (Helgoland/Scharhörn) zu verlagern. Der gebaggerte Schlick aus der Unterelbe und dem Hamburger Hafen wird seitdem zunehmend in unsere Meeresgebiete (Deutsche Bucht) fernab von Hamburg verbracht.

Petition 91354

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass die 9. Elbvertiefung gestoppt und die Schlickverklappungen am Weltnaturerbe Wattenmeer vor Cuxhaven beendet werden. Wir fordern ein norddeutsches Hafenkonzept anstelle einer weiteren Vertiefung unserer Flüsse. Das Elbeästuar ist für die biologische Artenvielfalt in Europa von unermesslichem Wert. Der Nationalpark Wattenmeer steht als UNESCO-Weltnaturerbe unter internationalem Schutz.

Wer die Petition unterstützen möchte, kann das bei den Petitionen des Bundestages noch bis Donnerstag (nach Anmeldung) tun.

Weitere Informationen:

Der NABU in Schleswig-Holstein hat dem Umweltminister Jan Albrecht in der Sache geschrieben und eine hervorragende Infoseite „Naturschutzverbände: Umweltschaden im Elbästuar“ gemacht.

Den Film „Der Stint – Ein Fisch und sein Fluss“ von Holger Vogt, in dem Prof. Ralf Thiel und Dr. Veit Hennig von der Universität Hamburg ihre beunruhigenden Erkenntnisse vortragen, finden Sie in der NDR Mediathek.  

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