Schweinswal

von | | | 5. Dezember 2016

Schweinswal beim Auftauchen
Schweinswal im Fjord&Bælt Zentrum, Kerteminde. Bild: J. Herrmann

Die Schweinswale kann man als die heimischen deutschen Wale bezeichnen. Sie halten sich zeitweise küstennah auf, lassen sich auf Sylt oder bei Wilhelmshaven sogar vom Strand aus beobachten. Trotz der großen Zahl von Schweinswalen in der Nordsee, muss die Bestandsentwicklung aufmerksam beobachtet werden. Damit die Schweinswale ihre Körpertemperatur von ca. 37°C erhalten können, benötigen die Schweinswale viel Energie und verbringen viel Zeit mit der Nahrungsaufnahme. Das betrifft insbesondere laktierende Weibchen. Störungen bei der Jagd z.B. durch Lärm, können dem fragilen Energiegleichgewicht der kleinen Walen empfindlich zusetzen.

Nach ein paar biologischen Kenndaten, finden Sie Angaben zu den ausgestellten Skeletten von Schweinswalen weiter unten.

NAMEN

Phocoena phocoena, Linnaeus 1758 – harbour porpoise (UK) – bruinvis (NL) – marsvin (DK) – nise (NO) – marsouin (FR) – Morświn (PL) –

BESCHREIBUNG

Länge: Ausgewachsen 1,85 (1,50 – 2,00) m lang (Ostsee: ♀: 1,52; ♂: 1,40). Die Weibchen werden einige Zentimeter länger als Männchen.
Das Körpergewicht liegt bei unter 90 kg (Ostsee: ♀: 57 kg; ♂: 48 kg). Die Fluke ist bis zu 60 cm breit, Blubber 2-5 cm dick.
Kälber: Geburtslänge und -gewicht: ca. 80 (65-90) cm, 5-7 kg.
Lebensalter: Bis über 20 Jahre (Nordsee ca. 9-12 Jahre).
Kennzeichen: Kaum abgesetzte Schnauze, spatelförmige Zähne

VERBREITUNG

Der Gewöhnliche Schweinswal kommt an den Küsten des Nordatlantiks und Nordpazifiks vor. Tauchgänge in der Nordsee sind wenige Minuten lang und bis zu 200m tief. Vor Westgrönland haben NIELSEN et al. (2018) im Winter und Frühjahr Tauchgänge bis zu 410 m Tiefe nachweisen können.

BESTAND

1994, 2005 und 2016 wurden die Wale in europäischen Gewässern bei den Sichtungsfahrten und -flügen SCANS I, II und III gezählt und die Ergebnisse zu Bestandsschätzungen hochgerechnet. Nach HAMMOND et al. (2017) betrug der Bestand für den Nordseeraum in den Grenzen der ICES Assessment Unit 345.373 Tiere (246,526 – 495,752). Nach methodischen Überarbeitungen können für 2005 355.000 und für 1994 289.000 Schweinswale in diesem Gebiet angenommen werden.
Der Bestand in der ICES Assessment Unit für die westliche Ostsee (Kattegat und Belt) wurde auf
42.324 Tiere (23.368 – 76.658) geschätzt. Der sehr bedrohte Bestand der zentralen Ostsee war nicht Gegenstand der SCANS Untersuchungen, wurde aber zuletzt während des SAMBAH Projektes auf 497 Tiere geschätzt.
Niedersächsische Küste mit Angaben nach VIQUERAT et al. 2015: März/April 2014: 6.107 Tiere (3.555-10.711), davon 2.067 im östlichen Untersuchungsgebiet und 4.039 im westlichen Untersuchungsgebiet. Im Mai 2014 wurde der Bestand nach den Flugzählungen auf 15.628 Tiere (9.324-26.646) geschätzt, davon 8.257 im östlichen Untersuchungsgebiet und 7.371 im westlichen Untersuchungsgebiet. Das Gebiet um Borkum Riffgrund erwies sich neben der Region Sylter Außenriff als Aufzuchtsgebiet für Schweinswalkälber.

NAHRUNG

Ernährung 3-5 kg Fisch (bis ca. 25 cm Länge: Grundeln, Hering, Kabeljau, Plattfische auch Tintenfisch, Garnelen) / Tag (ca. 8,4% des KGW). Zähne: 22-28 Paare OK, 21-25 Paare UK / ab 5 Monate.

FORTPFLANZUNG

Die Tragzeit beträgt ca. 11 Monate. Kälber werden an der Nordseeküste im Juni geboren. Die Paarungszeit ist im Spätsommer. Geschlechtsreife: ♀: 3-4 Jahre; ♂: 2-3 Jahre

GEFAHREN

MENSCH: Beifang in Fischerei, Lärm (Bau von Windkraftanlagen, Sprengungen, SONAR, Akustische Exploration, Schiffsverkehr), Umweltgifte, Müll
NATÜRLICH: Schwertwale, Große Tümmler, Kegelrobben
Die Schweinswal-Art Vaquita im Golf von Mexiko ist die bedrohteste Walart der Welt.

Skelett eines Schweinswals aus Van Beneden und Gervais (1868-80)

Standorte von Schweinswalskeletten

DEUTSCHLAND

21730 Balje
Natureum Niederelbe

53113 Bonn
Zoologisches Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig

26757 Borkum
Heimatmuseum „Dykhus“

27570 Bremerhaven
Nordsee Museum

64283 Darmstadt    — Nur Abgusspräparat —
Hessisches Landesmuseum Darmstadt – Zoologische Abteilung

60325 Frankfurt
Naturmuseum Senckenberg

37073 Göttingen
Zoologisches Museum der Universität Göttingen

20146 Hamburg
Zoologisches Institut und Zoologisches Museum, Universität Hamburg

24105 Kiel
Zoologisches Museum der Christian-Albrecht-Universität

23552Lübeck
Museum für Natur und Umwelt

48161 Münster
LWL-Museum für Naturkunde Münster

26506Norden-Norddeich
Waloseum

24837 Schleswig
Archäologisch-Zoologische Arbeitsgruppe Schleswig

70191 Stuttgart
Staatliches Museum für Naturkunde (Schloss Rosenstein)

26382 Wilhelmshaven
UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum

E U R O P A

Brüssel
Institut Royal des Sciences Naturels

CH Bern
Naturhistorisches Museum

DK Esbjerg
Fischerei- und Schiffahrtsmuseum

DK Kerteminde
Fjord & Bælt Centret

DK Kopenhagen
Zoologisches Museum Kopenhagen

DK Svendborg
Naturama

NL Leeuwarden
Natuurmuseum Fryslân

NL Rotterdam
Natuurhistorisch Museum 

UK Oxford
Oxford University Museum of Natural History

UK St. Andrews
Bell-Pettigrew Museum

WEITERLESEN

AKTUELLE FORSCHUNG

NIELSEN, N. H., J. TEILMANN, S. SVEEGAARD, R. G. HANSEN, M. H. S. SINDING, R. DIETZ und M. P. HEIDE-JØRGENSEN (2018):
Oceanic movements, site fidelity and deep diving in harbour porpoises from Greenland show limited similarities to animals from the North Sea.
Marine Ecology Progress Series 597: 259-72.

VAN FRANEKER, J. A., E. L. BRAVO REBOLLEDO, E. HESSE, L. L. IJSSELDIJK, S. KÜHN, M. LEOPOLD und L. MIELKE (2018):
Plastic ingestion by harbour porpoises Phocoena phocoena in the Netherlands: Establishing a standardised method.
Ambio

WAHLBERG, M., L. DELGADO-GARCÍA und J. H. KRISTENSEN (2017):
Precocious hearing in harbour porpoise neonates.
J Comp Physiol A Neuroethol Sens Neural Behav Physiol 203: 121-32.

WISNIEWSKA, D. M., M. JOHNSON, J. TEILMANN, U. SIEBERT, A. GALATIUS, R. DIETZ und P. T. MADSEN (2018):
High rates of vessel noise disrupt foraging in wild harbour porpoises (Phocoena phocoena).
Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences 285: 20172314.

WRIGHT, A. J., T. AKAMATSU, K. N. MOURITSEN, S. SVEEGAARD, R. DIETZ und J. TEILMANN (2017):
Silent porpoise: potential sleeping behaviour identified in wild harbour porpoises.
Animal Behaviour 133: 211-22.

ZEIN, B., B. WOELFING, M. DÄHNE, T. SCHAFFELD, S. LUDWIG, J. H. RYE, J. BALTZER, A. RUSER und U. SIEBERT (2019):
Time and tide: Seasonal, diel and tidal rhythms in Wadden Sea Harbour porpoises (Phocoena phocoena).
PLOS ONE 14: e0213348.

WICHTIGE LINKS

Hammond, P.S., Bearzi, G., Bjørge, A., Forney, K., Karczmarski, L., Kasuya, T., Perrin, W.F., Scott, M.D., Wang, J.Y., Wells, R.S. & Wilson, B. 2008. Phocoena phocoena. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T17027A6734992.

HAMMOND, P. S., C. LACEY, A. GILES, S. VIQUERAT, P. BÖRJESSON, H. HERR, K. MACLEOD, V. RIDOUX, M. B. SANTOS, M. SCHEIDAT, J. TEILMANN, J. V. VINGIDA und N. ØIEN (2017):
Estimates of cetacean abundance in European Atlantic waters in summer 2016 from the SCANS-III aerial and shipboard surveys.

Perrin, W.F. (2018). World Cetacea Database. Phocoena phocoena (Linnaeus, 1758). Accessed through: World Register of Marine Species on 2018-04-01.

VIQUERAT, S., A. GILLES, H. HERR, U. SIEBERT, A. GALLUS, K. KRÜGEL und H. BENKE (2015):
Monitoring von marinen Säugetieren 2014 in der deutschen Nord- und Ostsee.
83.