Walskelette im Museum | Gießen

von Jan Herrmann | cetacea.de | | 1. November 2019

Pottwalskelett im Hörsaal der Hermann-Hoffmann-Akademie der Universität Gießen

Hermann-Hoffmann Akademie der Universität Gießen

Senckenbergstraße 17-21
35390 Gießen

mit vollständigen Skeletten von:

  • Pottwal, Physeter macrocephalus

Außerdem gibt es im Haus ein Präparat eines Pottwalembryos.

Der Pottwal

Hinter diesem Pottwalskelett steht ein akademisches Abenteuer, wie es nur noch selten welche gibt. Mitte Januar 2016 erreichte die Nachricht von fortgesetzten Pottwalstrandungen Gießen. Professor Dr. Volker Wissemann hat genau sieben Minuten Bedenkzeit gebraucht, bis ein erster Anruf in Schleswig-Holstein die Knochen ins Rollen brachte. Sein Traum von einem Pottwalskelett in Gießen beflügelte schnell weitere Kolleginnen und Kollegen. So ist dieses Pottwalskelett eine große interdisziplinäre, gemeinschaftliche Arbeit verschiedener Einrichtungen der Justus-Liebig-Universität Gießen und einiger weiterer Helfer.

Im Januar und Februar 2016 ist es zu zahlreichen Strandungen von Pottwalen an den Nordseeküsten gekommen. Dieser Wal war am 12. Januar 2016 zusammen mit einem anderen Pottwal tot treibend vor Helgoland gesichtet worden. Das Tier (GER-04) hatte eine Körperlänge von 12,3 Meter und war nach Zahnalter 13 Jahre alt. Im Magen wurde ein ca. 1 Meter langes Seil gefunden. Genetisch passt dieser Pottwal zu einer Herkunft aus der Region der Kanarische Inseln.

Besonderen Anteil hatte das Institut für Veterinär-Anatomie, -Histologie und -Embryologie, das die Fäden für die Aufbereitung der Knochen und den anatomisch korrekten Zusammenbau des Skelettes in der Hand hielt. Dabei konnte das Pottwal-Team (Prof. Dr. Volker Wissemann und Prof. Dr. Hans-Peter Ziemek, Hermann-Hoffmann-Akademie, sowie Prof. Dr. Martin Bergmann, Prof. Dr. Stefan Arnhold, Prof. Dr. Carsten Staszyk und die Präparatoren Ralph Blakey, Stefan Streit sowie Präparatorin Jennifer Hennemann (alle vom Institut für Veterinär-Anatomie der JLU)) sogar den Computertomographen der Kleintierklinik oder den 3D-Drucker der Kunstpädagogik nutzen.

Der Pottwal hängt im Hörsaal der Hermann-Hoffmann-Akademie und gibt dem Raum nicht nur für Walfreunde ein besonderes Ambiente. Die Hermann-Hoffmann-Akademie wurde im Jahr 2013 gegründet und soll vor allem Schülerinnen und Schülern Wissen aus erster Hand vermitteln, diese aber auch selbst dazu anregen in Projekten eigene Forschung zu betreiben. Als besonderer Lernort kooperiert die Akademie mit zwei Gießener Gymnasien. Studierende bekommen hier auch immer wieder Gelegenheit „durchs Lehren zu lernen“.

Pottwal-Embryo

Pottwal-Embryo in der Hermann-Hoffmann-Akademie Gießen

Dieses Präparat stammt aus dem Nachlass des Gießener Zoologen Prof. Wulf Emmo Ankel. Dieser war 1953 zusammen mit dem Tierfilmer Hans Hass auf einer Expeditionsreise mit dem Forschungsschiff Xarifa. Bei einem Halt vor der Azoreninsel São Miguel wurde der Pottwalfang dokumentiert. Bei einer Jagd wurden zwei Bullen und eine Kuh erlegt. Wie sich bei der Zerlegung zeigte, war die Pottwalkuh tragend.