Top 6 – Bedrohte Wale

Wenn man von bedrohten Walen spricht, ist das sehr allgemein. In der Tat  scheint es einigen Arten gut zu gehen. Denn die Bestände sind stabil oder entwickeln sich sogar positiv. Bei anderen Arten kann man von bedrohten Populationen sprechen. Dort ist dann eine regionale Gruppe, die sich nicht mit anderen Vertretern der gleichen Art austauscht (aber noch keine eigene Art ist) bedroht. Hier sind die Arten aufgezählt, die als hochgradig gefährdet gelten:

Vaquita (Phocoena sinus)

Der kalifornische Hafenschweinswal lebt nur in Mexiko im Golf von Kalifornien. Obwohl es seit Jahrzehnten bekannt ist, dass sich die Zahlen dieses kleinen Schweinswals massiv verringern, wurden keine ausreichenden Schutzmaßnahmen ergriffen. Fischereiverbote wurden zwar verhängt, aber nicht durchgesetzt- Nach Schätzung des International Committee for the Recovery of the Vaquita (CIRVA) gibt es noch 30 Vertreter dieser Art, die mexikanische Umweltbehörde PROFEPA geht allerdings von mehr als 100 Tieren aus. Hauptgefahr: Fischerei, vor allem die Jagd auf den Totoaba Fisch, dessen Gallenblase für tausende Dollar nach Asien verkauft werden kann und so die Bereitschaft erhöht gegen Auflagen zu verstoßen.

Bei der IUCN Redlist trägt der Vaquita die stärkste Schutzstufe „Critically Endangered“.

Maui-Delfin (Cephalorhynchus hectori)

Der Maui-Delfin, eine Unterart des Hectordelfins ist mit einem Bestand von deutlich unter 100 Tieren stark bedroht. Die letzte Schätzung geht von derzeit 63 Tieren (57 bis 75) aus. Die Maui-Delfine leben an der Westküste des nördlichen Neuseelands. Seit 2003 ist Fischerei in dieser Region untersagt. Allerdings halten sich die Delfine nicht genau an die Grenzen der Schutzzone und werden gelegentlich Beifangopfer außerhalb dieses Gebiets. Das neuseeländische Department of Conservation informiert über den Maui-Delfin, die Bedrohungen und Schutzmaßnahmen.

Bei der IUCN Redlist trägt der Maui Delfin die stärkste Schutzstufe „Critically Endangered“.

Nordkaper (Eubalaena glacialis)

Nordkaper wurden schon seit dem 11 Jahrhundert von den Basken im Golf von Biskaya, später auch von Norwegern, Niederländern, Dänen und Briten in nordostatlantischen Gewässern gejagt. Sie galten als ideale Wale, da sie nach dem Töten nicht absanken. Daher stammt der englische Name „Right Whale“. Im Nordostatlantik sind die Sichtungen so selten, dass nicht klar ist, ob es dort noch eine überlebende, kleine Population gibt. Wahrscheinlich handelt es sich um Streuner der westatlantischen Population, die alle Jahre einmal für seltene Sichtungen sorgen. Die westatlantische Population, die entlang der nordamerikanischen Atlantikküste migriert und wahrscheinlich der einzige Nordkaperbestand ist, besteht nur noch aus etwa 440 Exemplaren. Diese Tiere sind dank der steten Arbeit an einem Photo-ID-Katalog individuell bekannt. Vor allem drei Gefährdungen sorgen dafür, dass sich diese Art nur extrem langsam erholt:

  1. Das Verfangen in Fischernetzen
  2. Kollisionen mit Schiffen
  3. Starke Lärmbelastung

Als Schutzmaßnahmen wurden z.B. ein Annäherungsverbot an Nordkaper innerhalb von 460 m oder ein Langsamfahrgebot von maximal 10 Knoten für Schiffe länger als 19,8 m in bestimmten Schutzzonen etabliert.

Bei der IUCN Redlist trägt der Nordkaper die zweitstärkste Schutzstufe „Endangered“.

Grauwale des westlichen Norpazifiks

Während die Grauwale, die entlang der nordamerikanischen Westküste ziehen, sich wieder auf einen Bestand >20.000 Tiere entwickeln konnten, steht der mit weniger als 130 Tieren ausgestattete Bestand des westlichen Pazifiks vor der Ausrottung. Das Hauptvorkommen liegt im Ochotskischen Meer nordöstlich vor Sachalin, aber auch östlich vor Kamtschatka, vor der japanischen oder chinesischen Küste gibt es gelegentliche Sichtungen. Als Bedrohungen sind das Verfangen in Fischernetzen oder sogar noch die illegale direkte Jagd auszumachen. Ansteigender Schiffsverkehr und Gas- und Ölexploration in unmittelbarer Nähe der wichtigen Fressgebiete bei Sachalin können sich ebenfalls auf die Lebensbedingungen dieser Wale auswirken.

Bei der IUCN Redlist trägt diese Grauwal-Population die stärkste Schutzstufe „Critically Endangered“.

Ganges- und Indus-Delfin (Platanista gangetica ssp. gangetica / ssp. minor)

Eine besondere Herausforderung stellt der Lebensraum Fluss dar, ist er doch am engsten mit anthropogenen Einflüssen verzahnt. Dem Chinesischen Flussdelphin Baiji haben Schiffsverkehr, Fischfang, Stromveränderungen und Einleitungen in den Chang Jiang (Jangtsekiang) so zugesetzt, dass 2009 nur noch die Ausrottung dieser Art erklärt werden konnte. In den indischen Flüssen Indus und Ganges sieht die Lage ernst, aber noch nicht hoffnungslos aus. Für den Indus nimmt man 965 Flussdelphine (843-1171) an, für den Ganges um 1500 Exemplare. Die Zahlen sind allerdings sehr unsicher, da es in den letzten Jahren keine systematischen Zählungen gegeben hat. Baumaßnahmen (Dammbau), Vermüllung und Vergiftung des Flusses stehen hier Schutzmaßnahmen in Teilabschnitten der Flüsse entgegen.

Bei der IUCN Redlist tragen beide Unterarten (Indus, Ganges) die zweitstärkste Schutzstufe „Endangered“.

Schweinswale der zentralen Ostsee

Der Bestand im westlichen Teil in Kattegat und Beltsee wird nach SCANS III Zählung auf 42.324 Tiere geschätzt. Davon abgegrenzt in der zentralen Ostsee gibt es eine Population, die sich nicht mit der westlichen Population mischt. Diese Abgrenzung ist besonders im Sommer zu erkennen, wenn sich die Schweinswale der zentralen Ostsee bei der schwedischen Midsjöbank, südlich der Insel Gotland konzentrieren. Der Bestand liegt nach Untersuchungen im Rahmen des SAMBAH Projektes bei 500 Tieren (80-1,091). Die Fischerei ist die größte Gefahr für die kleinen Meeressäuger.

Bei der IUCN Redlist trägt diese Schweinswal-Population die stärkste Schutzstufe „Critically Endangered“.

 Literatur

Baker, C. Scott, D. Steel, Rebecca M. Hamner, Garry Hickman, L. Boren, W. Arlidge und Rochelle Constantine (2016):
Estimating the abundance and effective population size of Māui dolphins using microsatellite genotypes in 2015–16, with retrospective matching to 2001–16.
Department of Conservation, Auckland: 70 S.

BENKE, H., S. BRÄGER, M. DÄHNE, A. GALLUS, S. HANSEN, C. G. HONNEF, M. JABBUSCH, J. C. KOBLITZ, K. KRÜGEL, A. LIEBSCHNER, I. NARBERHAUS und U. K. VERFUSS (2014):
Baltic Sea harbour porpoise populations: status and conservation needs derived from recent survey results.
Marine Ecology Progress Series 495: 275-90.

BRILLANT, S. W., T. WIMMER, R. W. RANGELEY und C. T. TAGGART (2017):
A timely opportunity to protect North Atlantic right whales in Canada.
Marine Policy 81: 160-66.

HAMNER, R. M., P. WADE, M. OREMUS, M. STANLEY, P. BROWN, R. CONSTANTINE und C. S. BAKER (2015):
Critically low abundance and limits to human-related mortality for the Maui’s dolphin.
Endangered Species Research 26: 87-92.

JARAMILLO-LEGORRETA, A., G. CARDENAS-HINOJOSA, E. NIETO-GARCIA, L. ROJAS-BRACHO, J. V. HOEF, J. MOORE, N. TREGENZA, J. BARLOW, T. GERRODETTE, L. THOMAS und B. TAYLOR (2016):
Passive acoustic monitoring of the decline of Mexico’s critically endangered vaquita.
Conservation Biology 31: 183-91.

NOAA Fisheries (2017):
NORTH ATLANTIC RIGHT WHALE (Eubalaena glacialis): Western Atlantic Stock.
National Oceanic and Atmospheric Administration, S.