Wale mussten sterben, um Menschen zu töten

von Kersten & Entrup | FR | Frankfurt | 4. Oktober 2000

2. Weitere Entwicklung und Niedergang (1720-1873)

Bereits um 1710 wird ein Absinken der Anzahl pro Schiff erbeuteter Wale spürbar. Nur eine Verlegung der Fanggebiete kann den Abwärtstrend zunächst noch aufhalten. Während die ersten Walfänger ihr Fanggebiet unmittelbar bei Spitzbergen haben und den Tran dort an Land auskochten – die „Hamburger Bucht“ auf Spitzbergen erinnert an diese Zeit -, werden die Wale in Küstennähe immer seltener und nun auf hoher See gejagt. Den Speck konnte man nicht mehr vor Ort auskochen, sondern führte ihn in Fässern mit.

Ab 1719 wird die Davisstraße westlich von Grönland als Fanggebiet erschlossen. Es kommt zu einem nochmaligen Aufschwung des Walfangbetriebes. Danach geht es stetig bergab, mit den Walbeständen wie mit den Ausfahrten. Um den sinkenden Erträgen des Walfangs zu begegnen, wird zunehmend auch Robbenfang betrieben.

Ab 1750 geht man dazu über, Schiffe für den kombinierten Wal- und Robbenfang auszurüsten, da es sich aus ökonomischen Gründen kaum lohnt, sich lediglich auf einen der beiden Erwerbszweige zu spezialisieren.

Das Zeitalter Napoleons und die hiermit verbundenen kriegerischen Auseinandersetzungen bringen zu Beginn des 19. Jh. die Walfangexpeditionen fast vollständig zum Erliegen. Man hat bereits damals den Zusammenhang zwischen intensiver Bejagung und Vernichtung der Bestände erkannt. Nach Ende der relativen Schonzeit für die Wale 1815 hofft man somit auf steigende Erträge. Es kommt nochmals zu einer Gründerphase von Walfanggesellschaften, denen aber kein Erfolg beschieden ist. Zu ausgeblutet sind die Walbestände.

Während nun England und Schottland ab etwa 1860 die Dampfkraft einsetzen und sich somit Vorteile bei der Erschließung von Walfanggebieten schaffen, bleiben solche Unternehmungen in Deutschland auf Ausnahmefälle beschränkt. Den Walfanggesellschaften mangelt es angesichts der geringen Fangergebnisse an Kapital. So endet die Hamburger Grönlandfahrt 1861 und jene Deutschlands im Allgemeinen 1873.