Wale mussten sterben, um Menschen zu töten

von Kersten & Entrup | FR | Frankfurt | 4. Oktober 2000

Die eine intensive Beschäftigung mit der deutschen Walfanggeschichte ist, wie oben dargelegt, geeignet, norwegische und japanische Ausführungen über angebliche Traditionen als das zu entlarven, was sie sind: gezielte Desinformation zur Verschleierung der eigentlichen Absicht, der Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs in großem Stil. Unsere eigene Vergangenheit mahnt zweifellos in Zukunft für eine konsequente Walschutzpolitik einzutreten. Die neue Bundesregierung hat bei der diesjährigen Tagung der IWC einen ersten Schritt in eine solche Richtung gesetzt, in dem die deutsche Delegation der Politik der „Kompromisse“ eine klare Absage erteilte, da diese zum einen nichts gebracht habe und zum anderen eine solche von den Walfangnationen beinhart ausgenützt wurde.

Damit vollzieht die Bundesregierung eine begrüßenswerte Abkehr von einer den Walfangnationen nachgebenden Position. Um einer aktiven Walschutzpolitik jedoch wirklich gerecht werden zu können, müssen auch die strukturellen Voraussetzungen geschaffen werden. Gemeint ist dabei in erster Linie eine Kompetenzverlagerung vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten hin in das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Norweger und Japaner zeigen sich derzeit unbeeindruckt. Die norwegische Zwergwaljagd dauert an, und am 29. Juli ist die japanische Walfangflotte in den Nordpazifik ausgelaufen, um erstmals seit Inkrafttreten des Moratoriums wieder Pottwale und Bryde-Wale zu töten. Das Schicksal der Wale bleibt somit auf der Tagesordnung der Politik. Es ist abzuwarten, welche Konsequenzen die deutsche Bundesregierung ihrer kürzlich vorgenommenen Standortbestimmung in Sachen Walfang folgen lassen wird.

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