Weibliche Nordkaper zu schützen ist Schlüssel für Rettung der Art

von Shelley Dawicki | NOAA Fisheries | Woods Hole, MA | 9. November 2018

Warum wächst der Bestand der vom vom Aussterben bedrohten Nordkaper des Nordatlantiks weit langsamer als der der Südkaper, einer Schwesterart? Beide Arten wurden vom kommerziellen Walfang bis fast an die Ausrottung gebracht. Forscher von NOAA Fisheries und Kollegen haben diese Frage genauer untersucht und sind zu dem Schluss gekommen, dass die Erholung der Art am besten durch den Schutz der Nordkaperkühe gelingt. Viele Atlantische Nordkaper verenden, nachdem sie sich in Fischereigerät verfangen haben oder mit Schiffen kollidiert sind.

Nordkaperkuh mit Kalb. Photo: NOAA Fisheries / Christin Khan

„Hätten sich die Atlantischen Nordkaper mit der Rate vermehrt, die theoretisch denkbar wäre, dann wäre die Population fast doppelt so groß wie jetzt und ihre derzeitige Situation wäre nicht so schlimm“, sagte Peter Corkeron, der Hauptautor einer aktuell erschienen Studie in Royal Society Open Science. Er leitet die Großwalforschung am Northeast Fisheries Wissenschaftszentrum von NOAA Fisheries.

Der Atlantische Nordkaper, Eubalaena glacialis, ist eine von drei Arten von Glattwalen. Bei den jährlichen küstennahen Wanderungen passieren die Atlantischen Nordkaper einen Lebensraum, der noch stärker industrialisiert ist, als der der anderen beiden Glattwalarten.

Von 1970 bis 2009 waren 80 Prozent aller Todesfälle bei Atlantischen Nordkapern (70 von 87), für die die Ursache bekannt ist, auf den Menschen zurückzuführen. Haupttodesursachen waren das Verfangen in Fischereigerät und Zusammenstöße mit Schiffen. Im Vergleich dazu betrafen die meisten Todesfälle bei südlichen Glattwalen Kälber im ersten Lebensjahr. Nur sehr wenige waren direkt auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen.

Nachwuchs von Glattwalen im Vergleich

„Wir untersuchten vier Populationen von Glattwalen, drei aus den südlichen Populationen des östlichen Südamerikas, des südlichen Afrikas und des südwestlichen Australiens (Eubalaena australis) sowie die Population des westlichen Nordatlantiks, die über vergleichbare Zeitreihendaten und Mindestzahlen an jährlichen Kälbern verfügten,“ sagte Corkeron. „Intensive Beobachtungen des nordatlantischen Kalbungsgebiets aus der Luft haben im Jahr 1992 begonnen, was den Beginn unseres Vergleichs ausmachte.“

Die Forscher verglichen die Kälberzahlen von 1992 bis 2016 für jede der vier Populationen. Bei diesem Index war die jährliche Steigerungsrate der Nordkaper (etwa 2% pro Jahr) viel geringer als bei den Südkapern (zwischen 5,3% und 7,2% pro Jahr).

Zählungen von Kälbern von Atlantischen Nordkapern (NARW) und Südkapern (Australien: SRWOz; Südafrika: SRWSAf; Südamerika: SRWSAm) zwischen 1992 und 2016. Graphik: NOAA Fisheries/Peter Corkeron.

Wie sieht die natürliche Wachstumsrate für Atlantische Nordkaper aus?

Die Forscher untersuchten dann, inwieweit dieser Unterschied in der jährlichen Zunahme von von Menschen verursachten Verletzungen und Todesfällen abhängt, und nicht von ökologisch populationsbedingten (intrinsischen) Wachstumsraten.

Sie erstellten ein Modell zur Entwicklung von Populationen für weibliche Nordkaper. Dabei wurden die Schätzungen für die höchsten jährlichen Überlebensraten verwendet, die auf der Analyse wiederholter Sichtungen per Photo-Identifikation und der Zwischenkalbezeit von vier Jahren basieren. Dies führte zu einer geschätzten intrinsischen Steigerungsrate von 4 Prozent, ungefähr doppelt so viel wie beobachtet wurde.

Die Modellergebnisse zeigten auch, dass Todesfälle bei erwachsenen Nordkaper-Kühen etwa zwei Drittel des Unterschieds zwischen der geschätzten Wachstumsrate und den beobachteten Werten ausmachen.

Gefangene Walkühe. Weitere Auswirkungen.

Die Wissenschaftler untersuchten auch weitere Unterschiede zwischen den Nord- und Südkapern. Dreiundachtzig Prozent aller Atlantischen Nordkaper hatten sich mindestens einmal in ihrem Leben in Fischereigerät verfangen, und 59 Prozent waren zwei- oder mehrmals verheddert.

Der Energiebedarf, der durch das Ankämpfen gegen und das Hinterherziehen von Fischereigerät entsteht, kann die Wahrscheinlichkeit verringern, dass sich eine Walkuh erfolgreich reproduzieren kann. Die Zwischenkalbezeit kann sich verlängern, wenn eine Walkuh in Fischereigerät verfangen war. Die Erholungsphase nach so einer Zeit von Verletzungen und Auszehrung kann Monate bis Jahre andauern. Bei Südkapern kommt das Verfangen in Fischereigerät kaum vor.

Dieses Studie ist das Ergebnis einer internationalen Kooperation

Neben Peter Corkeron und Richard Pace vom Northeast Fisheries Science Center der NOAA Fisheries sind Mitautoren dieser Studie:

  • Philip Hamilton, Anderson Cabot Center for Ocean Life im New England Aquarium;
  • John Bannister, Western Australian Museum;
  • Peter Best und Els Vermeulen, Universität von Pretoria, Südafrika;
  • Claire Charlton, Curtin University, Australien;
  • Karina Groch, Projekt Baleia Franca / Instituto Australis, Brasilien;
  • Ken Findlay, Cape Peninsula Universität für Technologie, Kapstadt, Südafrika;
  • und Victoria Rowntree, University of Utah und Instituto de Conservación de Ballenas, Buenos Aires, Argentinien.

Die Koautoren John Bannister vom Western Australian Museum und Peter Best von der University of Pretoria verstarben, bevor diese Studie veröffentlicht wurde.

Diese Übersetzung basiert auf einer Presseinformation von NOAA Fisheries

Links

Literatur

CORKERON, P. J., P. HAMILTON, J. BANNISTER, P. BEST, C. CHARLTON, K. R. GROCH, K. FINDLAY, V. ROWNTREE, E. VERMEULEN und R. M. PACE (2018):
The recovery of North Atlantic right whales, Eubalaena glacialis, has been constrained by human-caused mortality.
Royal Society Open Science 5: 180892.

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