Zoologische Sensation: Grauwalsichtung vor Israel

von | immrac | Wittmund | 9. Mai 2010

Es ist nicht zu glauben. Vor der israelischen Küste hat der israelische Walforscher Dr. Aviad Scheinin vom Israel Marine Mammal Research & Assistance Center (IMMRAC) einen Grauwal gesichtet und photographisch dokumentiert.

Grauwal im Mittelmeer / Verbreitung von Grauwalen (Cetacea.de)

Am Morgen des 8. Mai wurde IMMRAC über einen Wal vor Herzliya Marina informiert. Das dreizehn Meter lange Tier wurde gesichtet und für zwei Stunden beobachtet. Bei den wiederholten Tauchgängen von jeweils drei bis fünf Minuten zeigte der Wal seine Fluke.

Während der Sichtung wurde angenommen, dass es sich um einen Pottwal handle. Die Größe, Hautfarbe und der Rückenhöcker als Finne mit den typischen kleinen Erhebungen auf dem Schwanzansatz des Tieres sprachen für einen Pottwal, der zwar im Mittelmeer vorkommt, aber von IMMRAC Mitarbeitern noch nie zuvor in dieser Region gesichtet wurde. Allerdings war der Kopf für diese Diagnose nicht ganz richtig. Wo war das Blasloch? Wie war der Kopf geformt?

Bei der Auswertung der Photos wurden die erhabenen Blaslöcher auf dem Kopf entdeckt und die Fluke erschien nun gar nicht mehr nach Pottwal. Die Haut war ganz anders beschaffen und zeigte eine Verteilung von hellen Flecken, die so nur von einem Wal bekannt sind, der hier überhaupt nicht vorkommen dürfte.

Grauwal vor Israel, © Aviad Scheinin, IMMRAC
Grauwal vor Israel, © Aviad Scheinin, IMMRAC

Blas des Wals, © Aviad Scheinin, IMMRAC
Blas des Wals, © Aviad Scheinin, IMMRAC

Grauwale waren einst im Nordatlantik verbreitet. Die letzten Sichtungen stammen aus dem späten 17. und frühen 18. Jahrhundert. Auch Zeugnisse von Grauwalen aus dem Mittelmeer existieren. Wahrscheinlich hat der sich verstärkende Walfang zur Ausrottung der Grauwale im Atlantik beigetragen.

Wie kommt der Grauwal ins Mittelmeer?

Grauwale sind bekannt für ihre gewaltigen Wanderrouten. Sowohl an der pazifischen Westküste, als auch an der pazifischen Ostküste ziehen die Grauwalpopulationen jedes Jahr im Sommer in den arktischen Norden und zum Winter in äquatoriale Gewässer. Grauwale bevorzugen als „Grundfresser“ flachere küstennahe Gewässer.
Haben eisfreie arktische Gewässer für eine neue Durchgangsroute in den Atlantik gesorgt? Oder kann ein Grauwal unbemerkt durch den Suezkanal schwimmen?

Links

Israel Marine Mammal Research & Assistance Center (IMMRAC)

Literatur

MACÉ, M. (2003):
Did the Gray whale, Eschrichtius robustus, calve in the Mediterranean?
Lattara 153-64.

Lindquist, Ole (2000):
The North Atlantic gray whale (Eschrichtius robustus): An historical outline based on Icelandic, Danish-Icelandic, English and Swedish sources dating from ca 1000 AD to 1792.
Centre for Environmental History and Policy, Universities of St. Andrews and Sterling, Scotland St. Andrews, UK: 53 pp. S.

Herzlichen Dank an Dr. Aviad Scheinin (IMMRAC) für die Erlaubnis, die Bilder zeigen zu dürfen und seine englischsprachige Mitteilung hier auszugsweise in Deutsch wiedergeben zu dürfen.

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