Bestandserholung: Warum die Zahl der Buckelwale zunimmt

von Birgitte Svennevig | SDU | Odense | 25. November 2025

Nach der Zeit des industriellen Walfangs haben sich die Großwalarten unterschiedlich gut erholt. Den Buckelwalen ist dies besonders gut gelungen. Eine aktuelle Studie der Süddänischen Universität in Odense (SDU) liefert wichtige Gründe für die Bestandserholung der charakteristischen Wale. Im Rahmen einer mehrjährigen Studie in der Senjawin-Straße östlich der Tschuktschen-Halbinsel in Ostsibirien hat ein Forscherteam um Olga Titova herausfinden können, dass Buckelwale eine enorme Flexibilität bei der Nahrungsaufnahme zeigen. Wird der Kabeljau in einem Gebiet knapp, steigen sie zum Beispiel auf Krill um.

Als die SDU-Walforscherin Olga Filatova im Jahr 2000 zu ihrer ersten Feldstudie aufbrach, verbrachte sie fünf Jahre damit, nach Walen zu suchen, bevor sie einen Buckelwal erblickte.

„Es war damals unglaublich selten, einen zu sehen. Heute sehen wir sie fast jeden Tag, wenn wir auf See sind“, sagt sie. „Wir wissen nicht genau, wie viele Buckelwale es jetzt gibt, aber es sind deutlich mehr als zu Beginn meiner Arbeit.“

Eine vorsichtige Schätzung der Endangered Species Coalition geht heute von einem Bestand von etwa 80.000 Buckelwalen aus – gegenüber nur 10.000 Tieren auf ihrem Tiefststand. Damit sind Buckelwale eine der großen Erfolgsgeschichten des Artenschutzes.

Fünf Sommer in den Gewässern der Buckelwale

Ein wichtiger Grund dafür ist, dass die kommerzielle Waljagd 1986 verboten wurde. Doch nach Angaben von Olga Filatova spielt auch ihre Bereitschaft, zwischen verschiedenen Nahrungsquellen zu wechseln, eine Rolle.

„Im Gegensatz zu anderen Walarten bevorzugen Buckelwale es, in einem Gebiet zu bleiben, selbst wenn ein Beutevorkommen zur Neige geht, jedenfalls solange es noch etwas anderes zu fressen gibt. Wir haben gesehen, wie Buckelwale in einem Gebiet Kabeljau jagten, und als der Kabeljau verschwand, sind sie auf Krill umgestiegen“, sagt Olga Filatova.

Bestandszunahme von Buckelwalen dank flexibler Nahrungsaufnahme. Forschungsgebiet Ostsibirien. Adaptierte Graphik auf Basis der Karte von John Tann, CC BY 4.0.

Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen beobachteten dies zwischen 2017 und 2021 während der Sommer- und Herbstmonate in der Senjawin-Straße östlich der Tschuktschen-Halbinsel in Ostsibirien, nördlich des Beringmeeres. 2017 begegneten sie einer Gruppe von etwa 100 Buckelwalen, die Polardorsche jagten. Im folgenden Jahr gab es keinen Dorsch, aber die Wale waren in der Gegend geblieben und hatten auf Krilljagd umgestellt.

Woher weiß man, was Buckelwale fressen?

Wenn Sie das Glück auf eine Bootsfahrt haben, sehen Sie vielleicht einen Buckelwal, der einen Fisch von der Wasseroberfläche schnappt. Aber eigentlich jagen Bucklwale außer Sicht, unter der Oberfläche. Um herauszufinden, was sie fressen, benötigen Forscher daher andere Werkzeuge als die Beobachtung. Durch die Analyse stabile Stickstoffisotope in der Walhaut können Wissenschaftler zum Beispiel feststellen, was die Wale gefressen haben. Geringere Werte des stabilen Isotops 15N deuten auf eine eher krillreiche Ernährung hin, während ein höherer Anteil dieses Isotops auf Fische wie Dorsch als Nahrung hinweist. Denn Tiere, die höher in der Nahrungskette stehen, reichern tendenziell schwerere Stickstoffisotope an.

„Dies zeigte uns, dass Wale ihr Jagdverhalten und ihre Beutepräferenz ändern können, wenn sich die Bedingungen ändern. Das ist ein hoher Grad an Flexibilität und wahrscheinlich einer der Gründe für ihren evolutionären Erfolg“, erklärt Olga Filatova.

Andere Arten von Furchenwalen verbrennen tendenziell mehr Energie, um ihre Lieblingsspeisen zu suchen, und sind eher bereit, ein Gebiet zu verlassen, wenn die Beute verschwindet. Buckelwale hingegen sind nicht für ihre Schnelligkeit bekannt. Tatsächlich haben sie den Ruf, die faulsten Jäger aller Wale zu sein. Sie erfinden viele Methoden, um Beute zu täuschen und sie mit möglichst geringem Energieaufwand zu fangen.

Ein Beispiel dafür ist die Fallenjagd („trap-feeding“) in Gegenden, in denen Möwen Fisch fangen. Dabei treiben sie mit geöffnetem Maul an der Wasseroberfäche. Wenn die Fische versuchen, den Möwen zu entkommen, schwimmen sie direkt in das Maul des Wals, in der Annahme, dass es ein guter, sicherer Unterschlupf ist.

In neue Lebensräume umziehen

„Sie sind nicht schnell, und sie haben diese großen, plumpen Flossen – aber was ihnen an Geschwindigkeit fehlt, machen sie durch Kreativität und die Bereitschaft, alles zu fressen, was verfügbar ist, wett“, sagt Filatova.

Filatova sieht die Zukunft der Buckelwale optimistisch. Nicht nur sind sie findige Fresser mit relativ geringem Energiebedarf, sie gehören auch zu den wenigen Arten, die tatsächlich von der Klimaveränderung profitieren. Wenn das Meereis schmilzt, öffnen sich neue Lebensräume – und sie ziehen bereits ein.

„Wir erhalten immer mehr Berichte über Buckelwale in arktischen Gewässern, wo sie noch nie zuvor gesehen wurden“, sagt sie.

Buckelwale

Buckelwal. Bild von Elianne Dipp.

Buckelwale sind 11-19 Meter lang (die Weibchen dabei etwas größer), wiegen bis zu 35 Tonnen und können 50-60 Jahre alt werden. Ein Weibchen trägt ihr Kalb etwa 11,5 Monate lang und gebärt alle zwei bis drei Jahre. Buckelwale sind in allen Weltmeeren zu finden und legen jährlich bis zu 25.000 km zurück.

Mehr Sorgen um andere Wale

Buckelwale wandern jährlich von tropischen zu polaren Meeren, verbringen den Winter in warmen Gewässern und ernähren sich im Sommer in den kalten, nährstoffreichen Gewässern hoher Breiten.

„Ich mache mir keine Sorgen um sie. Ich mache mir mehr Sorgen um Wale, die nur in arktischen Gewässern leben können – wie etwa der Grönlandwal, der Weißwal und der Narwal“, sagt Olga Filatova.

Die Studie, auf der dieser Artikel basiert, wurde im Journal of Marine Mammal Science veröffentlicht. Die Feldstudien zwischen 2017 und 2021 wurden von der Russischen Wissenschaftsstiftung unterstützt.

Sie können die Studie hier lesen.

TITOVA, O. V., I. D. FEDUTIN, A. V. TIUNOV, S. M. TSURIKOV, A. M. BURDIN, E. HOYT und O. A. FILATOVA (2026):
Changing the Menu: Humpback Whale (Megaptera novaeangliae) Diet Switching in Senyavin Strait, Chukotka.
Marine Mammal Science 42(1):0.
DOI: 10.1111/mms.70071

Dies ist eine adaptierte Übersetzung einer Pressemitteilung der Süddänischen Universität Odense.
Das Teaserbild ist von Francesco Ungaro.

Fachliteratur zum Thema:

COOKE, J.G. (2018):
Megaptera novaeangliae
The IUCN Red List of Threatened Species 2018: e.T13006A50362794.
(Zuletzt besucht 25. November 2025)

SEYBOTH, E., S. PAARMAN, C. ALLISON, J.-O. MEYNECKE, J. DE BIE und K. P. FINDLAY (2024):
A review of Southern Hemisphere humpback whaling by period and catch location.
J. Cetacean Res. Manage. 25:123-162.

VICHI, M., E. SEYBOTH, T. MAZOMBA, E. VERMEULEN, K. FINDLAY, J.-O. MEYNECKE, J. DE BIE, E. SECCHI, L. DALLA ROSA und A. ROYCHOUDHURY (2025):
Historical catch records of humpback whales and the assessment of early 20th century sea ice edge in climate models.
Environmental Research: Climate 4(2):025005.

Links zum Thema:

Forscherprofil: Olga Filatova

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