Ein gestrandeter Buckelwal in der Kirche

von JH | cetacea.de | Dülmen | 19. März 2022

In der Heilig-Kreuz-Kirche in Dülmen wird vom 5. März bis zum 6. April, die lebensgroße Skulptur eines gestrandeten Buckelwales gezeigt. Der israelische Künstlers Gil Shachar hat mit Hilfe eines Abdruckes eines in Südafrika gestrandeten Buckelwales ein beeindruckendes Kunstprojekt erschaffen. Um das Cast Whale Project gibt es ein tolles Veranstaltungsprogramm mit Themen aus Kultur, Naturwissenschaft und Umweltschutz, das interessierte Menschen nach Dülmen einlädt.

Lebensgroße Buckelwalskulptur in der Heilig-Kreuz-Kirche in Dülmen
Hinter den Bankreihen und dem Altar liegt der gestrandete Buckelwal

Wenn man die Heilig-Kreuz-Kirche in Dülmen betritt, vermittelt der riesige, hohe Raum, der das Auge aus dem eher dunklen Hinterbau zur hellen Vorderseite führt, zunächst ein Gefühl von Demut und Ehrfurcht. Die Litanei für den Wal von John Cage füllt den Raum akustisch, leise aber bestimmend. Über die Kirchenbänke und den Altar hinweg fällt der Blick auf eine Treppe, die zu einer Anhöhe führt. 14 Stufen führen hinauf. Auf der erhobenen Plattform liegt hingegossen ein organischer Körper. Wir erkennen eine Struktur aus Röhren, die sich über den Körper ziehen. Und wenn wir die Stufen erklimmen und näher kommen, dann zeigen sich die weit ausgestreckten riesigen Flipper, der schlaffe Penis des auf dem Rücken liegenden Buckelwals.

Eingerahmt von Seitenfenster und Kreuz liegt die Buckelwalskulptur auf dem Boden.
Die 14 Meter lange und 9 Meter breite Buckelwal-Skulptur des Künstlers Gil Shachar in der Heilig-Kreuz-Kirche

Der Wal liegt in der Kirche wie gerade gestrandet. Diese Kirche, die durch ihre Lichtführung die Aufmerksamkeit nach vorne auf den Wal führt, wirkt so passend für diese Ausstellung, als ob sie hierfür geschaffen wurde. Kunst ermöglicht Interpretationen in viele Richtungen. Aber jeder wird auch daran denken, dass dies ein Ort ist, der den Menschen weit weg von den Küsten die Bedeutung des Meeres näher bringt, die Sorge um die Bewohner des Meeres, die uns als Säugetiere im Meer diesen Lebensraum noch näher bringen. Wir sehen den Wal und wie das Licht auf ihn fällt und fragen nach dem Tod und dem Leben dieses riesigen Tieres.

Die Veranstalter stammen eher aus einem Umfeld aus Kultur, Kunst oder Religion. Daher ist es ihnen hoch anzurechnen, dass sie in ihrem Veranstaltungsprogramm auch Themen aus Naturwissenschaft, Walforschung und Umweltschutz umfassend eingebettet haben.

Buckelwal aus Südafrika

Der israelische Künstler Gil Shachar hat sich 2015 in Südafrika alle erforderlichen Genehmigungen besorgt und Kontakte zu Walforschern aufgebaut. Als dann 2018 in Lambert’s Bay ein Buckelwal strandete, wurde innerhalb von drei Tagen ein Abdruck des Buckelwalmännchens genommen. Die Platten wurden in einem Container nach Deutschland verschifft, in Puzzle-Arbeit wieder zusammengesetzt und waren dann Grundlage, um die Skulptur zu formen. Bisher war die Walskulptur schon in Greifswald, Berlin, München oder Bochum zu sehen. Nun hat ein Team um das Kulturteam der Stadt Dülmen, den Förderverein für Kunst und Kultur und die Pfarrgemeinde Heilig Kreuz mit großer Unterstützung aus dem Ort diese Ausstellung nach Dülmen geholt.

Vorträge, Musik, Lesungen und Kunst-Aktionen rund um den Wal

Menschen stehen um die Buckelwalskulptur herum
Pfarrer Peter Nienhaus stellt einer Besuchergruppe das Cast Whale Project vor.

Seit dem 5. März bis noch zum 6. April ist die Walskulptur zu sehen. Hat man eine längere Anreise, verknüpft man diesen Besuch am besten mit einem der vielen Programmpunkte, die das Dülmener Team organisiert hat. Eine kleine Auswahl finden Sie hier, weitere im Programmheft des Cast Whale Projektes (PDF).

  • 22. März – 20 Uhr „Wal – Bekanntschaften“ – Geschichten und Songs
    Mechthild Neuhaus-Overbeck
  • 24. März – 19 Uhr „Der Ozean, das Klima und Wir“ – Vortrag 
    Andrea Werner Bioconsult, Bremen 
  • 27. März – 18 Uhr „Musikalisch-literarischer Abend mit Pedro Blasko und der Musikschule Dülmen“ – Musik/ Literatur
    Musikschule Dülmen mit Pedro Blasko 
  • 31. März – 19 Uhr „Walfang mit der Plastiktüte“ – Vortrag
    Jan Herrmann

Begleitet wird diese sehenswerte Ausstellung durch einen Katalog mit Photographien von Dr. Rolf Ebert und Dietmar Rabich, der für 10 Euro abgegeben wird. Für Kinder gibt es kostenloses Bastelmaterial. Während der Ausstellung läuft ein „Making off“ Film, der im Raum unter der Treppe zu sehen ist.

Geben Sie diese Adresse in Ihr Navi ein: Heilig-Kreuz-Kirche, Lüdinghauser Straße 59, 48249 Dülmen. Dülmen wird auch von der Deutschen Bahn regelmäßig angefahren. Die Heilig-Kreuz-Kirche ist in einer Distanz von etwa einem Kilometer fußläufig gut vom Bahnhof aus zu erreichen.

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