Klimawandel verursacht Südverschiebung von Blau- und Pottwalen in Neuseeland

von Rita Ziegler | Universität Zürich | Zürich | 23. September 2022

Eine neue wissenschaftliche Arbeit gibt Ausblick, wie sich der Klimawandel auf die Verbreitung von Großwalen in neuseeländischen Gewässern auswirken wird. Danach ist es zu erwarten, dass sich Blau- und Pottwale bei zunehmender Erwärmung der Meere in niedrigere Breitengrade verlagern werden und damit Gebiete mit hohem Schutzstatus verlassen.

Pottwal. Bild: DBL-Wildlife 2022

In einer internationalen Gemeinschaftsstudie der Universität Zürich, der Massey University, der Canterbury University in Neuseeland sowie der Flinders University in Australien hat das Forscherteam um Dr. Katharina Peters (Universität Zürich) die Verschiebung der Verbreitungsgebiete von Blau- und Pottwalen bis zum Jahr 2100 prognostiziert. Die Arbeit erfolgte mit Hilfe einer komplexen Modellierung verschiedener Klimawandelszenarien. 

Ergebnis dieser Studie ist, dass sich der geeignete Lebensraum für beide Arten in den kälteren Süden verlagert, was mit der fortschreitenden Erwärmung des Ozeans noch weiter zunimmt. Das stärkste getestete Klimawandelszenario führte zu einem Verlust bzw. einer Abnahme des derzeit geeigneten Lebensraums für Pottwale um 61 % bzw. Blauwale um 42 %, vor allem in den nördlichen Gewässern Neuseelands. 

„Egal welches der Klimawandel-Szenarien Realität wird, selbst das Szenario des besten Falles zeigt deutliche Veränderungen im Angebot geeigneter Lebensräume für Pottwale und Blauwale in Neuseeland“, sagt Dr. Peters. 

Mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf die Verbreitung von Pott- und Blauwalen bei Neuseeland. Prognose für das Jahr 2100 nach einer aktuellen Studie. Grafik: K. Peters

Folgen für Whale Watching Tourismus und die lokale Wirtschaft 

Inselnationen wie Neuseeland sind aufgrund ihrer Nähe zum Meer besonders anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels auf die marinen Ökosysteme. So sind beispielsweise die Pottwale in Neuseeland für die Tourismusbranche und die lokale Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Professor Karen Stockin, Mitautorin der Studie und Leiterin der Cetacean Ecology Research Group an der Massey University, sagt: „Die Whale-Watching-Industrie vor Kaikoura könnte durch weniger und weniger verlässliche Pottwalsichtungen vor der Küste gefährdet sein. Solche Veränderungen in der Verbreitung von Pottwalen hätten sozioökonomische Auswirkungen, da die örtliche Wirtschaft direkt und indirekt vom Whale-Watching-Tourismus abhängig ist.“ 

Wale sind bedeutend / Auswirkungen auf das Ökosystem

Großwale, wie Pottwale und Blauwale, sind wichtige Ökosystemingenieure. Das bedeutet, dass sie eine Vielzahl von Aufgaben erfüllen, wie z. B. den Transport von Nährstoffen aus tiefen Gewässern an die Oberfläche und über Breitengrade durch die Wanderung von Nahrungs- zu Kalbungsregionen. Die prognostizierte durch den Klimawandel bedingte Verlagerung nach Süden wird sich auf die Funktion der Ökosysteme auswirken und möglicherweise die ökologischen Zusammenhänge im nördlichen Teil Neuseelands aus dem Gleichgewicht bringen. 

Frühzeitig um Schutzstatus neuer Aufenthaltsorte kümmern

Während diese Studie die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf Blau- und Pottwale hervorhebt, weist sie auch auf Lebensräume hin, die in Zukunft für beide Arten rund um die Südinsel und vorgelagerte Inseln geeignet sein könnten. „Solche Gebiete haben für beide Arten das Potenzial, als Rückzugsgebiete im Klimawandel zu dienen“, sagt der Drittautor Dr. Frédérik Saltré, Co-Leiter des Global Ecology Lab an der Flinders University. „Die frühzeitige Kenntnis dieser Regionen bietet die Möglichkeit, sie in Zukunft besser zu schützen, insbesondere wenn es um die Einrichtung von Meeresschutzgebieten und die Gesetzgebung zur Öl- und Gasexploration geht.“

Dies ist eine Übersetzung einer Pressemitteilung der Universität Zürich. Das Teaserbild zeigt einen Blauwal. Bild: DBL Wildlife 2022

Fachveröffentlichung zum Thema

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Weitere aktuelle Veröffentlichungen zum Thema Wale im Klimawandel

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Ein Cetacea.de Beitrag zum Globalen Klimastreik am 23. September 2022 / Fridays for Future / Scientists for Future

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