Japan verlässt IWC und fängt Wale wieder kommerziell

von Jan Herrmann | cetacea.de | Wittmund | 29. Dezember 2018

Nachdem am 20. Dezember erste Gerüchte laut wurden, kam am 26. Dezember die Bestätigung. Japan hat offiziell verkündet, die Internationale Walfang Kommission IWC zu verlassen und ab 2019 in küstennahen Gewässern wieder kommerziellen Walfang zu betreiben. Der antarktische Walfang wird zunächst eingestellt.

Regierungssprecher Yoshihide Suga teilte mit, dass Japan ab Juli 2019 in eigenen territorialen Gewässern und der exklusiven Wirtschaftszone Walfang betreiben will. Zielarten sollen Zwergwale, Seiwale und Brydewale sein. Suga beschwerte sich über die Umorientierung der IWC zu einem Schutzgremium und beklagte, dass die IWC sich nicht an die eigene Verpflichtung halte, die Auswirkungen des Moratoriums zu prüfen (Japan Times).

Warum kehrt Japan der IWC den Rücken?

Seit langem schon kämpft Japan innerhalb der IWC gegen die Aufhebung des Walfangmoratoriums, dass seit 1986 in Kraft ist und kommerziellen Walfang verbietet. Obwohl Japan durch großzügige Unterstützungen weitere Länder zur walfangfreundlichen Mitarbeit in der IWC gewinnen konnte, gelang es nicht, ausreichende Mehrheiten zu sammeln. So wurde auch zuletzt bei der IWC Konferenz in Florianópolis in Brasilien der Antrag Japans abgelehnt, das Moratorium zu beenden und die Abstimmungsprozesse zu ändern.

„Wissenschaftlicher“ Walfang Japans. Erlegte Wale 1987-2016. Daten: IWC, Zwergwal: jtweedie1976 (CC-BY 2.0)

Ausweg „wissenschaftlicher“ Walfang

Das war aber nicht das erste Mal, dass Japan sich vergeblich um Mehrheiten bemüht hatte. Während Norwegen und später auch Island wegen eines Widerspruchs gegen das Moratorium kommerziell Wale jagten, hatte Japan sich all die Jahre hindurch damit arrangiert, aus „wissenschaftlichen Gründen“ Wale zu fangen. So waren die beiden Forschungsprogramme für den Nordwestpazifik und die Antarktis die offiziellen Gründe für den Fang von über 16.500 Walen seit 1987. Das Fleisch der gefangenen Wale wurde aber für den japanischen Markt verwertet, so dass nicht nur Walschutzorganisationen die „wissenschaftlichen Gründe“ für einen Deckmantel hielten. 2014 hat der Internationale Gerichtshof der Vereinten Nationen den antarktischen Walfang mit der Begründung verboten, dass dort wissenschaftliche Standards nicht erfüllt würden. Nach kurzer Walfangpause in der Saison 2014/2015 hat Japan dann mit NEWREP-A ein überarbeitete Wissenschaftsprogramm vorgestellt und den Walfang wieder aufgenommen.

Marodes Mutterschiff

Nisshin Maru lädt Zwergwalkuh und -kalb auf das Verarbeitungsdeck. Photo: Customs and Border Protection Service, Commonwealth of Australia (CC-BY-SA 2.0)

Dieses Spiel hätte Japan sicherlich noch auf Jahre hinaus weiter betreiben können. Ein gewichtiger Grund für eine Änderung ist der Zustand des Walfangmutterschiffes Nisshin Maru. Dieses 8145-Tonnen Schiff wurde 1987 als Fischtrawler gebaut, dann aber schon 1991 für den Walfang umgerüstet. Mit dreißig Jahren ist das Schiff am Ende seiner Lebenszeit angekommen und müsste für die zehrenden Antarktisfahrten aufwändig renoviert oder komplett erneuert werden (The Japan Times). Der nun eingestellte antarktische Walfang deutet darauf hin, dass die hohen Subventionen für den Walfang ihre Grenzen haben könnten.

Diplomatie verlass mich nie

Einen Beitrag zur Entscheidung Japans kann auch der US-amerikanische Präsident Donald Trump geleistet haben, der vorgeführt hat, wie einfach man internationale Vereinbarungen einfach aufkündigen kann. Sicherlich hofft Japan, dass sich die Staatengemeinschaft im Falle des Walfangs mindestens ebenso unengagiert zeigt, wie bei der Austrittsankündigung der USA beim Klimaschutzabkommen.

Ausblick

Regierungssprecher Yoshihide Suga deutete ein neues internationales Bündnis für den Walfang an und hat da mit der North Atlantic Marine Mammal Commission die Walfängergruppe um Norwegen, Island und Grönland im Sinn.
Die IWC soll weiterhin als Beobachter begleitet und sicherlich auch im japanischen Interesse beeinflusst werden. Vielleicht hofft Japan auch darauf, das isländische Modell nachzuspielen. Island hat 1989 die IWC verlassen und ist 2002 mit nur einer Stimme Mehrheit wieder aufgenommen worden. Diesmal allerdings mit dem Widerspruch gegen das Moratorium, was dem Land einen sanktionslosen kommerziellen Walfang ermöglicht.
Eine Gefahr für den Artenschutz ist durch die Entscheidung Japans derzeit nicht zu erwarten. Man wolle sich an die Regeln der IWC zur Bewertung der Bestände halten. Und tatsächlich gibt es mit Meeresverschmutzung, Lärm oder Fischerei Bedrohungen, die weitaus gewichtiger sind. Trotzdem bleibt der Walfang ein Geschäft, das auslaufen sollte. Eine tierschutzgerechte Tötung ist per Harpune nicht möglich. Immer wieder treten unerträglich lange Wartezeiten zwischen Verletzung und Tod der Tiere auf. Noch dazu sind viele weibliche Tiere tragend, was zu elendigem Tod der Feten führt. Es ist zu hoffen, dass die japanische Bevölkerung weiterhin den Walfleischdosen und Plastikpackungen in den Märkten die kalte Schulter zeigt und sich nicht von geplanten Marketingmaßnahmen der Walfanglobby verführen lässt. Zuletzt stagnierte der Konsum von Walfleischprodukten.

Und was machen wir?

Der Protest gegen den japanischen Walfang ist sinnvoll, aber angesichts der Behandlung unserer Nutztiere bei Haltung und Schlachtung, ist ein demütiges und höfliches Formulieren empfohlen.

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